Zypern - 15. Mai 2010
Stadtbesichtigung
Das Arrangement mit dem Geflügel hielt nicht sehr lange. Vielleicht war die gestrige Teilvertreibung der Grund, jetzt herumzukrähen. Ich schloß gegen 5.30 Uhr die Verandatüre. Trotzdem waren wir beizeiten auf und schon um 9.00 Uhr mit dem Frühstück fertig. Wir wollten uns nämlich Lemessos etwas näher ansehen und das ist interessanter, wenn die Geschäfte alle geöffnet sind. Ich schaute mir kurz an, wo ein großer Parkplatz auf der Karte eingezeichnet ist und ab ging's. Mit der Autobahn ist man schnell vor Ort und muß nur noch einen günstigen Parkplatz finden. Allerdings ist das im einbahnstraßendominierten Altstadtviertel oft nur auf verschlungenen Pfaden möglich. Ich hatte mir nur eine linksabgehende Gasse namens Kolibri, nein Kanari gemerkt, an deren Ende der Parkplatz sein sollte. Von der Autobahn aus ist die Altstadt ausgeschildert und wir kamen wirklich an der Kanarigasse vorbei. Richtig, als ich den Namen las, waren wir auch schon vorbei. Zum Glück war die nächste Gasse eine Einbahnstraße in unsere Zielrichtung und gleich wieder links und schon wären wir wieder an der Kolibri- äh Kanarigasse. Aber was ist das? Ein privater Parkplatz mit schattigen, da überdachten Stellplätzen und einem fairen Preis von 3,-€ für den ganzen Tag. Glück gehabt!

- Solche Erdbeeren

- Der Fischstand
Und siehe da, die Markthalle ist nur zwei Ecken weiter. Das paßt ja. Hier gibt es an Lebensmitteln alles, was zypriotische Bauern und Fischer so zu Markte tragen, also zum Beispiel kein Brot. Aber die langstieligen Erdbeeren (6,-€/kg) sind schon eine Augenweide. Groß wie Hühnereier mit 10cm langen Stielen, dunkelrot und außerordentlich aromatisch duftend. Ein paar Beerchen können wir doch mitnehmen. Grüne Bohnen, Zwiebeln und ein Paprikaschote kamen noch hinzu. Am Fischstand fragte ich nur, ob ich den Inhaber fotografieren dürfte. „Why not?” lautete die Antwort kurz und bündig. An einem Fleischstand verkosteten wir verschieden Schinkensorten, entschieden uns für eine und kosteten weiter ein Art zypriotischer Bifi, die für unsere Wanderungen eine zünftige Verpflegung garantieren. Bequem, daß das Auto so nahe ist, da können wir die Einkäufe gleich, wenn angezeigt sogar in der Kühlbox verstauen und uns dann unbeschwert weiter der Stadt widmen.

- Durch die Gassen

- Moschee mit Minarett
Verkehrstechnisch kollidieren die Interessen der Touristen und sonstiger Faulenzer ständig mit den durch die Gassen rauschenden, gehetzten Autofahrern. Aber das kümmert hier niemanden. Die Fußgängerzone, es gibt tatsächlich eine, umfaßt vielleicht eine 200 Meter lange Straße und das war's. Rudolstadt oder auch Hameln sind da viel weitläufiger. Jedoch ist einiges im Umbau begriffen. Zum Beispiel ist die zweite Markthalle aus diesem Grunde zur Zeit geschlossen. Allerdings sieht man nicht, was aus ihr werden soll. Ringsum sind eher Geschäftsaufgaben zu beobachten. Geradeüber steht eine Moschee samt Minarett, auf christlichen Fundamenten allerdings.

- Die Kathedrale Agia Napa

- Innenansicht
Nur einen Steinwurf weiter betraten wir die griechisch-orthodoxe Kathedrale Agia Napa. Künstlerisch finde ich die Ausgestaltung mit eher kindlich wirkender Grafik auf weißem Grund recht ansprechend. Auch alles Goldene wirkt dadurch unaufdringlicher. Unterhalb der Kathedrale befindet sich ein großer, sonniger Parkplatz, den wir nicht brauchen - heute. Entlang der B6 gingen wir nur kurze Zeit. Die engen Gassen hatten uns die Fußgängerzone bisher noch vorenthalten, aber ich konnte sie förmlich spüren. Nochmal nach links, immer auf die anderen Verkehrsteilnehmer achtend, strebten wir nach Norden und waren überrascht, als nur noch Fußgänger unterwegs waren. Fahrräder sind hier nicht sehr verbreitet, ähnlich wenig wie Mopeds. Das ist ganz angenehm. So ein frisch gepreßter Orangensaft wäre jetzt nicht schlecht. Das läßt sich einrichten.
Wir füllten neben dem Genuß des Saftes die ersten Urlaubskarten aus, als der Nachbartisch besetzt wurde. Ein hamburger Ehepaar, wie sich herausstellte, war zumindest von seiner Seite her dienstlich auf Zypern unterwegs. Morgen ginge es zurück - eine angenehme Bekanntschaft. Neben der Taverne praktiziert eine Tischdeckenhändlerin. Heidi hat, ohne etwas zu kaufen, einen weiteren Besuch zugesagt. Die Fußgängerzone endete so abrupt wie sie begonnen hatte. Urplötzlich wieder stark befahrene Gassen. Da war auch der ursprüngliche Zielparkplatz. Gottseidank hatten wir exklusiver geparkt. Größere Ladenketten an einer zwar zweispurigen aber dennoch engen Straße luden nicht zum Verweilen ein. Es ist zwar auch eine Variante, Kunden durch Straßenlärmbelästigung in die Läden zu treiben, aber das verfing bei uns nicht. Uns spülte es wieder in Richtung Markthalle. Die Post hatte übrigens geschlossen und wir immer noch keine Briefmarken. Aber langsam bekamen wir Hunger. Heute Vormittag waren doch Grillbecken aufgestellt worden. Da gibt es jetzt bestimmt leckere Sachen. Die gut bestückten Grillspieße drehten sich wie von Zauberhand. Kleine Elektromotoren besorgen das zuverlässig. Wir hatten sie schon in einem Supermarkt gesehen, aber leider nicht beachtet. Etwas zu trinken wurde bestellt. Auf unsere Frage nach einer Speise meinte die Kellnerin, es gäbe ab 12.30 Uhr ein Selbstbedienungsbüfet. Also ich hatte im Moment doch keinen Hunger mehr und so ging Heidi allein ans Werk. Ich bemerkte nur einige Studenten, die ihre Tabletts mit einem regelrechten Menü massiv überladen hatten. Es blieb am Ende auch einiges übrig. Heidi kam mit einem gut gefüllten Teller zurück und erzählte, daß sie die Frau an der Kasse gefragt hatte, ob das alles sei und dann 7,-€ einbonte. Ich schlußfolgerte, es könnte sich um ein „all you can eat” mit Einmaldurchlauf handeln. Das Dessert sah sehr lecker aus. Heidi ließ mich von ihrem Fleischspieß kosten. Doch, das war gut. Wenn das Dessert auch so geschmeckt hätte...
Übrigens kurven hier heute diverse Autos mit Flaggen von Apollon Limassol herum. Vorhin hatten einige Fans einfach auf dem einen Meter breiten Bürgersteig gegrillt und aus Übermut mit ihrer Fahne den Autoverkehr manipuliert. Als ich einen Marktangestllten mit dem passenden Trikot sah, fragte ich ihn nach dem Anlaß. Ich wußte garnicht, daß Zypern ein eigenes Pokalfinale durchführt. Apoel Nikosia trifft auf Appoel Limassol und zwar in Larnaka. Aha, danke. Es wurde Zeit wieder nach Klonari zurückzukehren und die Mittagshitze dort zu genießen.
Einen Abstecher zu Kellakis Kirche könnten wir noch unternehmen. Dabei entdeckten wir, daß der ortsansäßige „Supermarkt” gerad geöffnet hatte. Nachdem wir die Aussicht vom Kirchberg genossen hatten, gingen wir nach den Wesensmerkmalen schauen. Das ist doch mal ein richtiger Krämer. Ein Wunder, daß es diesen Laden noch gibt. Aber man bekommt, glaub ich, alles was man braucht. Kaffee für die Espressomaschine war ebenso zu haben, wie eine Flasche Original-Zivana (Θεοφιλω) ΚΥΡΙΑΚΟ ΗΡΟΙΟΝ - 49%. Daß der Inhaber statt 8,40 € nur 4,15 £ berechnete, aber doch in Euro fand ich im Nachhinein recht nett. Ein Preisschild klebte, wie seit jeher, oben auf dem Deckel und das zweite, neuere an der Seite der Flasche. Ob das Getränk etwas mit Uzo zu tun hätte, verneinte der Betreiber, es sei original aus Zypern. Ob man es kalt trinken solle, ja, ja. Vielen Dank! Ab mit dem Stoff in den Gefrierschrank.
Lesend und schreibend überbrückten wir die Zeit bis zum Abendbrot. Da heute Werder Bremen und Bayern München den Pokal ausspielen, fuhren wir hinunter an die Küste. Eine Sportsbar kannten wir ja schon, dessen Barmann die Sehensmöglichkeit zugesagt hatte. Als wir um 19.45 Uhr dort ankamen, war gerade Halbzeit des hiesigen Pokalfinales und die Bar entsprechend gut gefüllt. Aber beim Abbiegen hatten wir schon weitere Angebote wahrgenommen, die ich jetzt prüfte. Wann denn das Spiel begänne und auf welchem Sender es übertragen würde - 21.00 Uhr im ZDF war, was ich wußte. Der Chef war gerad nicht da, aber die sehr freundliche Barfrau versprach, sich zu kümmern. Wie sie uns erreichen könne? Wir essen erstmal etwas, es ist ja noch Zeit.
Lammkotelettes für Heidi, Fish and Ships für mich wurden bestens bereitet. Ja, sie hätten einen Sender gefunden, der überträgt. Hinten rechts in der Ecke wird der Fernseher entsprechend geschaltet. Na bestens, wir zogen um an die Bar und erlebten ein glückloses, bedauernswertes Werder Bremen, das im Endeffekt auch in der Höhe gerecht 4:0 verloren hatte. Daß ab 10.00 Uhr p.m. ein Alleinunterhalter Livemusik machte, untermalte die Fernsehbilder eher angenehm, da der Ton des arabischen Senders eh ausgestellt war. Übrigens hat Limassol 2:1 gegen Nikosia gewonnen, obwohl für mich Nikosia die bessere Mannschaft stellte. Ach und das englische Cupfinal habe ich voll verpennt. Das hatte um 5.00 p.m. angefangen. Ich weiß immer noch nicht, wer wen und warum wie hoch geschlagen hat. Kalinista.
Jost



