Zypern - 16. Mai 2010
Auf dem Tafelberg
Heute hat Heidi die Verandatür gegen 6.00 Uhr geschlossen. Da Gekrächze war auch zu erbärmlich. Beim Frühstück diskutierten wir erneut unser heutiges Ziel. Fahren wir in die Berge nach Stavros oder lieber ans Meer zum Cape Gkreko? Na gut, also doch ans Meer, da sind die 120 Kilometer Entfernung wenigstens Autobahn.

- Naturschutzgebiet

- Der Tafelberg
Auf dem Hinweg wurde wieder gelasert und wieder ohne uns. Am Griechischen Kap fuhren wir bis zum Eingangstor der weithin sichtbaren Antennenanlage, schauten einmal nach Norden und einmal nach Süden, ohne etwas Besonderes entdecken zu können. Wir fuhren zurück bis an den Fuß des zypriotischen Tafelberges, wechselten das Schuhwerk und wanderten über garstige, äh karstige Felsformationen bis zu den Seegrotten. Dort genoß neben anderen Besuchern eine islamische Großfamilie den Sonntag. Und der machte seinem Namen alle Ehre. Wie die Mädchen die Sonne so eingemummelt ertragen, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

- Großfamilie beim Ausflug

- Die Seegrotten
Von den sea caves aus wanderten wir vorbei an einer idyllischen Müllkippe zum Tafelberg. Auf dem staubigen Fahrweg gelangten wir zum letzten Parkplatz vor dem 95 Meter hohen Gipfel. Schon von weitem hatten wir laute, türkische Musik vernommen, die jetzt verstummt war. Ein Speiseeisverkäufer hatte versucht, mit dieser Musik Kunden an sein Auto zu locken. Wild gestikulierend bat ich ihn, nochmals kurz zu halten. 3,-€ für ein Eis am Stiel und 2,-€ für eine Waffeltüte Eis scheinen auf Zypern gängige Preise zu sein, wobei mir die in Deutschland angebotenen, vergleichbaren Sorten besser schmecken. Auf jeden Fall hatte Heidi einige der dringend benötigten Kalorien aufgefüllt.

- Küste mit Müllkippe

- Das Denkmal
Vom Tafelberg aus hat man eine tolle Aussicht auf das angeblich naturgeschützte Cape Gkreko und die Müllkippe. Die viersprachige Inschrift am modernen Denkmal fordert den Umweltschutz ein und für mich bisher einmalig im Namen des Herrn und der Menschheit. Auf dem ausgeschilderten „Pfad” verließen wir den Tafelberg und umrundeten die Südflanke das zweite Mal allerdings eine Etage höher als vorhin. Das von entgegenkommenden Wanderern angekündigte große Raubvogelnest fanden wir nicht. Dafür wuselten massenhaft Eidechsen und Agamen über den Weg. Da Heidi den kürzeren Abstieg verweigerte, warfen wir einen weiteren Blick auf die Müllkippe, um abschließend auf dem ursprünglichen Hinweg zurück zum Auto zu gelangen.

- Der Blick auf das Cape Gkreko
So kamen wir doch noch auf knapp 10 Kilometer Wegstrecke und das macht hungrig. Günstigerweise lädt nicht weit entfernt vom Kap auf der seeabgewandten Straßenseite eine Taverne zum Besuch ein. Heidi bekam endlich ihre heißgeliebten gefüllten Weinblätter und ich entschied mich für den Lammbraten. Beides schmeckte sehr gut, wobei sich Heidi über die weitgefächerte Zimtverwendung in der hiesigen Küche erneut wunderte.
So jetzt noch ein Bad im Meer und wir könnten die Rückfahrt antreten. Wir fragten den Wirt, wo denn der Kermiastrand wäre und er meinte, nur 100 Meter weiter käme man an den sehr schönen Sandstrand. Vielen Dank und Aufwiedersehen. Nach ungefähr 250 Metern bogen wir auf die allererste überhaupt mögliche, in Richtung Strand führende Straße ab. Durch ein Tor, vorbei an diversen Bungalows gelangten wir auf einen asphaltierten Parkplatz, der allerdings von grünen Tuchbahnen umgeben war und keinen direkten Strandzugang besaß. Wir gingen 50 Meter zurück, überquerten eine Restaurantterrasse, von der wiederum eine Treppe auf die Freizeitarea der Bungalowsiedlung führte. Nun gab es kein zurück mehr. Am Strand ließen wir uns auf den Liegen eines Sonnenschirmes nieder. Unter der Annahme, daß die Sonnenbanknachbarn unsere Habseligkeiten im Auge behalten würden, gingen wir diesmal zusammen schwimmen. Wobei das mit dem Schwimmen in dem scheinbar ewig flachen Wasser garnicht so einfach war. Erfrischend war es allemal und als wir aus dem Wasser kamen, bestätigte sich unsere vertrauensvolle Annahme der Unversehrtheit unserer Klamotten. Auf die russischen Nachbarn war Verlaß. Als wir getrocknet waren, machten wir uns wieder aus dem Staub und auf den Rückweg nach Klonari. Außer einem zwanzigminütigen Wochenendrückreisestau vor einer Baustelle und auf der folgenden einspurigen Wegstrecke traten keine Behinderungen auf. Das einzig Irritierende blieben die 27 Regentropfen, wegen denen es sich nichteinmal lohnte, den Scheibenwischer zu betätigen. Und zwischen Kellaki und Klonari wurde es so nebelig, daß die Berge nur noch schemenhaft zu erkennen waren. Das hatten wir noch nie.
Zum Abendbrot gab es die allerletzten Nudeln in Form eines Eierauflaufs mit Schinkenstückchen. So gestärkt schrieb ich glatt die fünf Seiten Tagebuch für den Sonnabend. Heidi begnügte sich mit belegten Broten und konnte demzufolge nur noch etwas lesen, bis die Betten riefen. Kalinista!
Jost



