Sizilien - 21. Mai 2006
Im Tal der Tempel
So heißt das wirklich dort in Agrigent, stimmt aber nicht so ganz, denn die Tempel sind weithin sichtbar, also erhöht aufgebaut worden. Aber eins nach dem Anderen. Diesmal standen wir um 7.00 Uhr auf und verließen um 8.00 Uhr das Gehöft. Das war auch wieder ein Kompromiss. Heidi ist der Ansicht, wenn man sich Städte anschaut, könnte man ruhig etwas später los als an Wandertagen. Ich bin da eher der Meinung, daß sich auch Städte am besten vormittags anschauen lassen, bevor sie durch die Sonne so richtig aufgeheizt sind. Wir brauchten ungefähr zwei Stunden für die 135 km von Marina di Ragusa bis Agrigento. Kurz vor Gela, der hiesigen Erdgasmetropole, gibt es ein Stück gespenstischer "Autobahn". Wenn man wie wir nach Agrigento möchte, wird man über eine fast zugewachsene Auffahrt dort hinaufgeleitet. Der Abschnitt ruht auf Pfeilern, und am Anfang bremste ich ersteinmal ab, da es aussah, als wäre nur die Rampe fertig geworden und der Rest Illusion. Dies war es zum Glück jedoch nicht. Nichtsdestotrotz waren wir das einzige Fahrzeug weit und breit. Irgendwie wird die Straße von den Sizilianern nicht so richtig angenommen. Das sieht man auch der Straße an. Manchmal fehlen in der Mitte die Leitplanken, ein andermal war die linke Fahrspur über 100 Meter weit so mit Geröll übersäht, daß sie praktisch nicht benutzbar war.Wir waren froh, als wir hinter dem Industriegebiet wieder auf eine normale Straße gelangten.

- Der Leuchtturm
Da das Tal der Tempel von uns aus gesehen vor Agrigento liegt, brauchten wir nicht erst durch die Stadt, sondern fuhren gleich auf den vom Reiseführer als klein und teuer annoncierten Parkplatz. Also groß ist der Parkplatz wirklich nicht, was aber im Mai noch kein Problem ist. Und die zwei Euro für drei Stunden sind unter Umständen günstiger als die drei Euro für den ganzen Tag. Die 10,- € Eintritt (6,- € für die Tempelregion und 4,- € für's Museum) konnten wir auch hier, ohne anstehen zu müssen, begleichen. Da das Museum mit seinen Kostbarkeiten nur bis 13.00 Uhr geöffnet ist, war dies unser erstes Ziel. Leider steht das Museum 800 Meter vom Parkplatz entfernt und so marschierten wir, den Schatten der Bäume nutzend, den Berg hinauf. Es gibt viele Scherben zu sehen, aber auch kunstvoll restaurierte, ganze Vasen und Plastiken. Vor allem Figuren und Schmuckelemente für Häuser wurden auch schon lange vor Christi Geburt mittels Formen identisch reproduzierbar hergestellt. Die Sarkophage hingegen waren eher Einzelstücke. Einige besucher hatten sich einen Audioführer ausgeliehen. Wir hatten garnicht bemerkt und auch nicht angeboten bekommen, daß es solch eine Möglichkeit überhaupt gibt. Genutzt hätte es allerdings zumindest im Museum eher wenig, denn die reisegruppengebundenen Führer, die die ihnen anvertrauten Touristen durch die Räume geleiteten, übertönten die kleinen Geräte leicht.

- Blick auf den Concordiatempel
In den Außenanlagen des Museums sahen wir uns noch ein kleines antikes Theater, das sich später als Parlamentsraum entpuppte, an und schauten hinunter auf die teilweise eingerüsteten Tempel. Da dies die besterhaltenen griechischen Tempel überhaupt sein sollen, tun die Agrigenter wohl einiges, damit das auch so bleibt. Nach zwei Succo d'Arancia für 5,80 €, getrunken in der Museumsbar, nahmen wir die Tempel in Angriff. Wir hätten uns auch ganz gern das Grabungsfeld des römischen Villenviertels angesehen, aber entweder haben die nur unter der Woche oder gar nur im Sommer geöffnet. Bei weitersteigenden Temperaturen begaben wir uns zum Parkplatz, wo sich die Haupteingänge des Tempelbezirkes befinden. Bäume - bis auf ein paar Oliven - gibt es hier wohl schon Jahrtausende nicht mehr und so brannte die Sonne erbarmungslos nicht nur auf die Tempel. Der braune Sandsteinwar schon sehr lange wieder unter der weißen Farbe hervorgetreten. Durch diesen braunen Grundton wirkte alles viel weniger pathetisch als vieles, das man in Museen besichtigen kann. Dazu kommt noch, daß die drei oberen Tempel
- So sah's mal aus..._______________...und so von hinten______Heras Tempel
mehr oder weniger stark eingerüstet waren. Tapfer, jeden Schattenfleck nutzend, besahen wir jeden einzelnen der insgesamt fünf Tempel bzw. deren Reste. Dann hatten wir uns endlich Salvatore unser Gast sein würde. Daß wir grillen wollten, hatte ihn nicht sonderlich beeindruckt, aber als er hörte. daß Heidi deutschen Kartoffelsalat machen würde, gab es kein Halten mehr und er sagte zu. Holzkohle hatten wir vormittags noch in Acata gekauft. Jetzt brauchten wir nur noch die zwei Euro Parkverlängerung zu bezahlen und dann wären wir wieder auf der Straße. Das "Leitsystem" ersparte uns zum Glück den Phantomabschnitt bei Gela. Ohne irgendwelche Zwischfälle trudelten wir gegen 17.00 Uhr wohlbehalten wieder in der Casa Lucia ein.
Die 26°C Wassertemperatur erfrischten mich erstaunlicherweise sehr. Dann kramte ich de Grill heraus und bereitete das Anzünden des Feuers vor. Im Garten des Museums von Agrigento hatten wir neuzeitliche, um nicht zu sagen zeitgenössische, etwas groß geratene Kienäppel gefunden, die als Holzkohlenanzünder fungieren sollten. Heidi legte währenddessen Hand an die Antipasti, das Fleisch ein und würzte den Salat nach. Kurz vor 20.00 Uhr konnten wir Salvatore zu Tisch bitten. Selbst die gefüllten Auberginen wurden vom Fachmann gelobt. Das hiesige Fleisch würde eh anders als in Deutschland schmecken, sagte Salvatore. Also die Brötchen wäre auch zu Hause durchgegangen. Bevor Salvatore noch Fleisch nehmen würde, langte er lieber beim Kartoffelsalat zu, was ein weiteres Kompliment an Heidis Kochkünste war. Wir unterhielten uns angeregt über die verschiedensten Themen und kosteten dabei von Lucias köstlichem Zitronenlikör, den Salvatore nebst einer Flasche roten Weines zur Umrahmung mitgebracht hatte. Es war ein absolut netter Abend und wir freuten uns, zwar mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf Freitag, an dem wir alle zusammen beim Essen in Ragusa Abschied nehmen werden.
Buona Notte!
Jost



