Sizilien - 20. Mai 2006
Donnafugata

- Die schöne Landstraße
Nach dem Frühstück unternahmen wir den zweiten Anlauf, Donnafugata nicht nur von außen zu besichtigen. Auf sonnigen schmalen Straßen, die von Trockenmauern flankiert wurden, fühlten wir uns um zweihundert Jahre zurückversetzt. Das mußte photographiert werden. Die Zeit reichte für genau eine Aufnahme, dann kam ein Tanklastwagen und forderte uns per Hupe auf, weiterzufahren. Vorbei kam er nämlich nicht. Schnell waren wir an dem Schloß angekommen und das Auto vorschriftsmäßig geparkt. Ich betone dies, weil wir damit eigentlich eher die Ausnahme darstellten. Es standen vielleicht acht bis zehn PKW auf den dafür zugelassenen Flächen. Ein Bus kam nicht um die Ecke, weil es dort jemand für angenehm empfand, dort zu stehen. und hinter dem allseits beliebten Schild "Durchfahrt verboten" parkten eher fünfzehn Fahrzeuge - vom Moped bis zum Traktor - bzw. schienen zum Teil willkürlich günstig angehalten und stehengelassen, da hier ja eh niemand langfahren dürfte. Die Schloßverwaltung kannte ihre Pappenheimer und hatte vorsorglich ein physisches Durchfahrtverbot in Form einer robusten Gliederkette über die gesamte Straße gespannt. Was uns wirklich erfreute, war das offene Tor des Palazzo Donnafugata. Die zusammen 5,- € Eintrittsgebühr entrichteten wir umgehend und traten in den Innenhof.

- Das Treppenhaus
Der Rundgang begann gegenüber der Toreinfahrt, wo in einem angemessenen, herrschaftlichen Treppenhaus eine Skulptur im Sonnenlicht stand und dadurch schon unsere Blicke und Schritte in die richtige Richtung gelenkt hatte. An toll bemahlten, einachsigen Pferdewagen vorbei traten wir in den Treppenaufgang und stiegen in die erste Etage. Das Schloß ist schon etwas älter, erhielt aber sein jetziges Aussehen im 18. und 19. Jahrhundert. Ein Herr v. Arezzo hat sich besonders darum verdient gemacht. Er scheint ein aufgeschlossener Mann gewesen zu sein. Er ließ sich ein Billiardzimmer einrichten, in dem die Zuschauer erhöht saßen, um das Spiel besser verfolgen zu können. Und die Wände sind mit Landschaftsmalereien so ausgeführt, daß man denken könnte, man säße im Freien. Dann gibt es erstaunlich viele Photographien von Familienmitgliedern. Sie waren zum Einen wohl entschieden preiswerter und dabei autentischer als ein Konterfei in Öl. Zum Anderen war die Technik damals absolut neu und die Haltbarkeit noch nicht wirklich bekannt. Es wird wohl das eine oder andere Gemälde die moderneren Kunstwerke überleben. Es könnte natürlich auch Absicht gewesen sein.
- Sehr ansehnlich_________________Nicht ganz dicht_________Afrikanischer Einfluß
Ach so, der Bus schien eine Hochzeitsgesellschaft zum Palazzo gebracht zu haben. Man kann sich hier wahrscheinlich standesamtlich trauen lassen, was in unserem Falle den Rundgang im Wappensaal jäh unterbrach. Zum Glück war die Zeremonie wohl zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen und wir konnten uns schon nach kurzer Zeit durch die Hochzeitsgäste drängeln und so den Rundgang fortsetzen. Man kommt zwar nicht in die zweite Etage, in der sich der signifikante Balkon befindet, dafür kann man aber auf Terrassen, Türmen und Freitreppen lustwandeln. Die Aussicht von dort oben macht das Erkennen des Verfallsstadiums der Nebenanlagen vor dem Palazzo möglich. Die alten Remisen besitzen praktisch keine Dächer mehr. Das Geld reicht hald nicht für alles. Leider ist auch der Park nur sehr eingeschränkt begehbar.
- Ein hübsches Detail__________Majestätisch oder doch nicht?________Schön im Schatten
Auf der Rückfahrt bemerkte ich ein Durchfahrtsverbot für LKW, das der Tanklaster vorhin einfach übersehen hatte. Nun hielten wir einfach nocheinmal an und Heidi schoß noch zwei Fotos. Über Punta Secco (trockene Spitze), wo wir ein Eis aßen und den Leuchtturm bewunderten, fuhren wir nach Casuzze und dann weiter an der Küste entlang nach Marina di Ragusa zurück.

- Der Leuchtturm

- Hier wohnt der Commissario
Nach dem Wochenendeinkauf tauchten wir erstmal bei moderaten 25°C Wassertemperatur in den Pool ein. Die Pooltemperatur scheint sich gottseidank zu stabilisieren. Heidis MP3-Player hat den Geist aufgegeben und so lasen wir zur Abwechslung mal alle beide. Gegen 20.00 Uhr machten wir uns auf ins Städtchen und parkten am neuen Platz an der Promenade auf vorschriftsmäßigkeit bedacht, denn die Carabinieri zeigten Präsenz. Jetzt hatten alle Geschäfte an der für den Autoverkehr gesperrten Promenade geöffnet und es waren wirklich viele Leute unterwegs. Es war beeindruckend, wie die sizilianischen Familien mit Kind und Kegel die wahrscheinlich knapp bemessene gemeinsame Zeit nutzen. Wir suchten uns gerade noch rechtzeig in einer Pizzeria einen Tisch für's Abendbrot. Zwanzig Minuten später hätten wir keine Chance mehr gehabt, ohne entsprechende Wartezeit zu einer Pizza zu kommen. So saßen wir neben dem Servierschrank, was etwas Unruhe mitsichbrachte, dem Essen aber ansonsten keinen Abbruch tat. Als Vorspeise hatten wir uns zum "Rosso d'Aetna" eine "Phantasia del Chef" mit zwei Tellern bestellt. Es wahr eine ausgezeichnete Wahl und enthielt auch von den Antipasti Pesce eine breitgefächerte Palette leckerster Meeresfrüchte. Heidis Pizza hörte auf den Namen "Norma" nach des Catanieser Bellini Oper. Meine Pizza schmeckte hald nur sehr gut. Hauptsache es ist Schinken, Parmesan und Rukola drauf. Wenn dann auch noch Tomaten und Mozarella dazukommen, ist das nur um so besser. Und schon wieder waren wir viel zu satt für die Uhrzeit. Zum Glück fragte niemand, ob wir das Abendmahl nicht durch etwas Süßes oder einen Kaffee abrunden wollten. So spazierten wir zu unserem Auto zurück, die Geschäfte waren noch immer geöffnet und es war schon nach 22.30 Uhr. Das Livekonzert am Platz, dessen Namen wir immer noch nicht wissen, nahm seinen Lauf. Es war nicht unsere Musik und daß sich auch nur ein Fan ein Hemd vom Leib gerissen hätte, haben wir nicht erkennen können. Wahrscheinlich war es noch die zweite Vorband oder so. Wir machten also einen eventnahen Parkplatz frei und fuhren zur Casa Lucia, um unsere Verdauung mittels des einen oder anderen Amaro d'Aetna tatkräftig zu unterstützen. Auch Bilder hatten wir lange nicht angeschaut und so kam uns die musikalische Untermalung von der nächsten Diskothek gar nicht so ungelegen.
Buona Notte!
Jost



