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Ispica

Sonntag
14. Mai 2006

 
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Ispica und seine Höhlen

Da wir gestern zu sage und schreibe 3 Stunden und 28 Minuten Schlaf gekommen waren, schliefen wir heute aus. Daß wir um 9.00 Uhr aufstanden, bedeutete eine Steigerung der Schlafquantität auf fast 300%. Vom gestrigen Menü waren wir noch so satt, daß zum Frühstück eine Achtelmelone genügte, unserer Bedürfnisse zu befriedigen. Bis wir um 10.30 Uhr das Haus in Richtung Ispica verließen, beschäftigte sich Heidi in ihrem Hobbyraum und ich arbeitete am Tagebuch. Es ging gut voran, bis Heidi drängelte, doch endlich loszufahren. Noch ein kurzer Zwischenstop am vollgeparkten also gut besuchten Supermarkt und schon fuhren wir in Richtung Ispica.

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Parco della Forza

In der ca. 13 Kilometer langen Schlucht zwischen Ispica und Modica soll es hunderte, zum größten Teil aufwendig aus dem Fels gehauene Höhlen geben, die schon vor Christus als Wohnstätten und später als Nekropolen dienten. Das große Erdbeben von 1693 beendete die Nutzung der allermeisten Höhlen jäh. Vom Parkplatz aus besuchten wir zuerst den "Parco della Forza". Auf dem Gelände einer ehemaligen Burg befinden sich heute einige dieser Steingemächer, Fundamente eines Schlosses und dazugehöriger Anlagen. Am Infostand erhielten wir auch deutschsprachiges Informationsmaterial und den Tip, nach der Besichtigung ruhig mal in die Stadt zu schauen, denn heute sei der dritte Tag des Mohrrübenfestes und da gäbe es alles, was man aus diesem Gemüse herstellen könnte auch zu kaufen. Auf italienisch klingt das noch viel besser: "La Sagra della carota".

Die alte Burganlage wurde auf einer freigestellten Gesteinsformation errichtet, einem Ort, der jahrtausendelang gern für solche Zwecke genutzt wurde. Wer konnte damals schon Erdbeben voraussagen? Also der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, zumal die einzige Gegenleistung, die die Dame erwartete, war der Eintrag in das Besucherbuch. Dort wird listenmäßig der Name, die Anzahl der Personen und deren Herkunftsort oder -land notiert. Es war uns ein Bedürfnis, dieser Bitte nachzukommen.

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Chiesa Santa Maria di Cava

Anschließend verkrümelten wir uns in die Schlucht. Wir kamen aber vorerst nur bis zur "Chiesa Santa Maria di Cava". Dort empfing uns e in netter, älterer Herr und pries die Kirche, erläuterte die Fresken und läutete die Glocke. In den Nebengemächern hatte er sich häuslich eingerichtet. Obwohl ich naturgemäß wenig von seinem Vortrag verstanden hatte, tat dies dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Sein Angebot, uns mit unserem Fotoapparat vor der Kirche abzulichten, nahmen wir gern an. Ich hoffe, unsere kleine Spende wird Maria erfreuen.

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Cava d'Ispica

Eine Stunde wanderten wir, die Natur genießend, gen Norden. Dabei ließen wir uns so viel Zeit, daß wir ziemlich genau 3 km schafften, wie ich dem Schrittzähler entnehmen konnte. Gut, bei der richtigen Wanderung werden wir die Sandalen gegen angemessenes Schuhwerk tauschen und auch nicht so viele Nespole und wilde Orangen pflücken. Wir wollen zwar nicht möglichst schnell durch die Schlucht, aber möglichst sicher. Die Eidechsen sind zwar keine Gefahr, aber ob es hier nicht doch anderes Getier gibt, das sich an einem ledernen Schuh die Zähne ausbeißen würde, weiß ich garnicht. Getreu dem Spruch "Prävention ist die beste Vorbeugung"...

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La Sagra della carota

Nein, auf dem Fest war rein garnix los. Ich schätze mal, wir waren wieder zur falschen Zeit da. Auch die sizilianische Siesta will eingehalten sein. Nur die alten Herren konnten nicht schlafen und bewachten, gewichtige Gespräche führend, die aus Karotten gefertigten Kunstwerke. Möhren quollen aus Amphoren, schmückten Eingangstore und bildeten das Motiv und auch den materiellen Grundstock von festlichen Mosaiken. Nach der Umrundung des Festplatzes unterhalb des oberhäßlichen Rathauses war uns nach Kaffee. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir noch, daß stündlich ein Bus von und nach Modica kommt bzw. geht. Das kommt unserer Absicht entgegen, das Auto hier unten stehen zu lassen, hinauf nach Modica zu wandern und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zu unserem Auto zu gelangen. Capuccino, Mokka, Eis und ein Blutorangensaft kamen uns gerade recht, um uns für die Rückfahrt zu stärken. In Donnalucata stürzten wir uns kurzentschlossen in das Getümmel des Sonntagsmarktes. Die Fischstände merkten wir uns für spätere Besuche vor. Der Rest war wenig originell und erinnerte an ein Gemisch aus Berliner Trödel- und portugisischem Wochenmarkt. Auf der "Via di Porto" spazierten wir, das Leben genießend, vor uns hin. Schnell waren wir zurück bei Lucia und Salvatore. Und der Pool lud zum Bade. Dreiundzwanzig Grad Wassertemperatur, da lacht das Badeherz. Familie Molè mußte wieder hinauf nach Ragusa und so verabschiedeten wir uns von allen dreien. Lucia und ihre Mutti fliegen am Donnerstag wieder nach Spanien. Toledo, das ist Lucias Geburtsregion, also so ein kleines Dorf, nicht weit weg. Die alte Dame spricht auch noch ganz gut deutsch und meinte, Wasser sei nicht zum Trinken sondern nur für die Frösche da. Kaum waren wir allein, verschwand Heidi in ihrem attraktiven Hobbyraum. Es waren drei Gänge vorzurichten: Tomatensalat mit Thunfisch und Zwiebel, Pasta mit Basilikumpesto und geriebenem Käse, Ricotta mit Zitronencreme. Es gelang nicht nur vorzüglich, sondern schmeckte auch so. Satt und zufrieden blätterte Heidi anschließend lesend in ihrem Buch und ich versuchte, das Tagebuch halbwegs aktuell zu halten.

Buona Notte

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