Sizilien - 28. Mai 2006
Die Äolischen Inseln
Heute wollten wir den Ausflug zu den Äolischen Inseln unternehmen, wie es uns Salvatore empfohlen hatte. Gleich nach dem Frühstück brachen wir auf, denn es ist zwar nicht allzuweit nach Milazzo (ca. 70km), wo die Fähren ablegen, aber durch die Monti Nebrodi und Monti Peloritani mußten wir ersteinmal kurven. Die Berge sind zwar nur so um die 1000 Meter hoch aber ziemlich schroff, wie sich bald zeigte. Wir hatten die landschaftlich schönste Straße gewählt, was allerdings im umgekehrten Verhältnis zur Qualität der Fahrbahn stand. Heidi genoß also die Landschaft, während ich eher ein Auge für die Schlaglöcher hatte, bis Heidi rief: "Hast Du den Ort dort am Berg gesehen? Der sieht aus wie angeklebt!". Aber da waren wir schon wieder um die Kurve.
- Der Ätna raucht____________Einblick in den Parco dei Nebrodi__________Tripi klebt am Berg
Bis sich Tripi in seiner beeindruckenden Lage unterhalb einer Burgruine in voller Pracht zeigte, waren wir schon einige Kilometer näher gekommen. Der Anblick wirkte nicht mehr ganz so kurios. Wir schlängelten uns durch Tripi und die folgenden 16 Kilometer bis zur Küstenstraße hinunter. Hinter Barcelona Pozzo di Gotto fanden wir den Abzweig nach Milazzo sofort. Dafür dauerte erst die Suche nach dem Hafen und dann nach einem Parkplatz etwas länger. Die Parkplätze waren allermeistens auf zwei Stunden Parkdauer limitiert oder hald gebührenpflichtig. Automaten konnten wir keine entdecken und so war mir nicht klar, wo ich die Gebühr zu entrichten hätte. Überall wimmelte es nur so von Carabinieri und Politessen, die den Block mit den Bußgeldbescheiden garnicht erst wegsteckten. Zum Glück war eine Lücke vor einem Ristorante, die weiß markiert war, was die Nutzung ohne Auflagen signalisierte. Nix wie eingeparkt, die Rucksäcke mit den wärmenden Jacken für die Überfahrt und das Fernglas geschnappt und ab zum Hafen.

- Milazzos Uferpromenade
Es war inzwischen Viertelzwölf und eine junge Frau versuchte, uns eine Nachtfahrt zur Insel Stromboli schmackhaft zu machen, die um Zwölfe starten und um 22.30 Uhr enden sollte (Do/So). Nur so könne man die glühenden Ausbrüche und Lavaströme wirklich sehen und genießen. Der Rückkehrtermin war für uns jedoch zu ungünstig, als daß wir auf die Offerte hätten eingehen können. Auf meine Frage, ob es nicht auch andere Möglichkeiten eines Inselbesuches gäbe, zeigte sie uns den Fahrkartenverkauf einer Reederei. Das Einlesen in den Fährplan war nicht leicht und so gingen wir in den Verkaufsraum, in dem uns große Schilder ansprangen: "Keine Auskünfte!". Es war praktisch völlig leer, aber vielleicht müssen ja die beiden Schalterbeamten ihre Stimme schonen. Wir begaben uns also wieder zum Fährplan, knackten seinen Code und entschlossen uns, doch Lipari den Vorzug vor Vulcano zu geben. Zu diesem Zwecke kaufte ich zwei Fahrkarten für insgesamt 24,10 €, wovon 4,- € irgendwelche Gebühren waren - egal. Rückfahrkarten gäbe es in Lipari, diese Auskunft erhielten wir dann doch. Da wir noch reichlich Zeit bis zum Auslaufen unserer Fähre um 12.15 Uhr hatten,suchten wir uns ein kleines Kaffee, in dem wir Eis aßen. Zurück am Fährhafen sahen wir noch die "Eolian Princess" mit den Strombolireisenden ablegen. Die Schlange der Wartenden vor dem Tragflügelboot, das uns nach Lipari bringen sollte, war schon beträchtlich. Viele Reisende hatten größeres Gepäck dabei. Es blieb uns nur ein Platz im Unterdeck, aber Heidi konnte wenigstens am Fenster sitzen. Das Oberdeck hat eigentlich nur den Vorteil, daß man nach der Ankunft schneller von Bord kommt. Ansonsten ist es ebenso abgeschlossen, um den Schutz vor eventuellen Wetterunbilden und natürlich auch dem Fahrtwind zu gewährleisten. Die besten Plätze zum Herausschauen sind die oben, vorn, in der Mitte, denn von dort aus kann man, wie der Kapitän nur eine Etage tiefer, in Fahrtrichtung alles sehen und wenn das Wetter gut ist und die Crew die Lukes öffnet, sitzt man fast wie auf Deck. Nach 50 Minuten legten wir in Porto di Livante an. Hier an der Insel Vulcano ist immer der erste Halt. Die Insel liegt nur 700 Meter von Lipari entfernt. Mit etwas Verspätung liefen wir in Lipari ein, dem Ort, der auch der Insel den Namen gab.
- Blick zum neuen Hafen________Der alte Hafen_______________Via del Concordato
Auf dem Kai trat ein junger Mann an uns heran, der sich als Gianfranco vorstellte und sich erbot, uns mit seinem Taxi eine Stunde lang auf der Insel herumzufahren und uns die schönsten Aussichten auf alle Äolischen Inseln und den Ätna zu zeigen. Das Taxameter würde zwar bei 70,- € stehenbleiben, er wäre jedoch mit 40,- € zufrieden. Es war inzwischen Halbzwei durch und gegen 16.50 Uhr wollten wir zurückfahren. Also Zeit wäre schon. Allerdings wollten wir uns zuerst den Ort mit seinem beherrschenden Castello anschauen. "Später vielleicht!" beschieden wir Gianfranco. Durch das Haupttor betraten wir die Festungsanlage auf deren Terrain fünf Gotteshäuser, zwei Museen inklusive Ausgrabungsflächen, ein griechischer Friedhof (Akropoli) und ein neugebautes griechisches Theater zu besichtigen sind, wenn man vor 13.00 oder nach 15.00 Uhr kommt (Museen). Daran wird der Wandel der Anlage vom militärischen Schutzbau zum geistig-kulturellen Zentrum Liparis deutlich. Von den alten Mauern hat man wunderschöne Sichten auf den gesamten Ort, das Meer und die beiden Inseln Panarea und Stromboli. Über die Via del Concordato, einer großen Freitreppe, verließen wir das Castello und folgten der Via Garibaldi zum alten Hafen. Die Via Garibaldi ist die hiesige Touristenmeile, gesäumt von Andenken-, Eis- und Spezialitätenläden aber auch einer Enoteka. Hier ließen wir uns ein Panino zubereiten und tranken dazu ein Viertel weißen Weines vom Feinsten. Ursprünglich wollten wir beide je ein Panino bestellen. Da sich Heidi aber ob der Auswahl nicht entscheiden konnte , begann die Bearbeitung meiner Bestellung schon einmal. Oh, das würde mit Sicherheit für uns beide genügen und so mußte Heidi sozusagen in das saure Panino meiner Wahl beißen. Nein, so schlimm war es wirklich nicht. "Im Gegentum, es war elende prima!" um Heidis Großvater Hans zu zitieren. Gestärkt und erfrischt flanierten wir wieder in Richtung Porto Sottomonastero, dem neuen Hafen. Sollte Gianfranco dort noch herumlungern, könnten wir ihm ja etwas
- Panarea und Stromboli dahinter___Im Hintergrund Vulcano_____Lipari taucht wieder auf
Arbeit verschaffen. Und tatsächlich, kaum hatten wir den Platz vor dem Hafen betreten, kam uns Franco schon entgegengelaufen. Gianfranco sei ein elend langer Name und Franco genüge auch, meinte er. Wir fuhren also an der Ostküste in Richtung Norden. Die Orte auf der Insel haben ganz lustige Namen. Canneto (Schilf, Röhricht), Aquacalda (warmes Wasser) oder Quattropani (vier Brote). Oberhalb des Capo Rosso, mitten in einem riesigen Bimssteinrevier, hielten wir und genossen den Blick auf Panarea und Stromboli. Und siehe da, im Süden lugte der Ätna zu uns herüber. Franco schenkte Heidi einen eigenhändig gesammtelten, vulkanischen Stein (Obsidian). Als wir an der Punta Castagena um die Kurve kamen, lag uns die Insel Salina gegenüber. Sie ist die zweitgrößte Insel der Gruppe. Auch in Aquacalda wird fleißig Bimsstein abgebaut und an den weit sichtbaren Terminals weltweit verschifft. Es gibt wohl noch 150 Arbeitsplätze in dem Metier. Von Quattropani aus sieht man die beiden Inseln Alicudi und Filicudi besonders gut. Jetzt ging es wieder gen Süden und der Ätna grüßte mit seiner bepuderte Spitze. Hinter Pianoconte ist der Ausblick auf den Strand und die Insel Vulcano besonders schön. Lipari rückte wieder näher. Ich schoß noch ein paar Bilder von Liparis Zentrum und schon waren wir zurück am Hafen. Die Stunde war wie im Fluge vergangen und wir hatten einen ersten Eindruck von der Insel erhalten. Sogar einige Wanderer hatten wir unterwegs gesehen. Die Straße bleibt hier wohl niemandem erspart. Franco erhielt sofort einen Anschlußauftrag und wir kauften unsere Rückfahrtickets. Die Fähre hatte ihre Verspätung auf eine halbe Stunde ausgebaut, aber das Warten fiel uns nicht schwer. Diesmal ergatterten wir einen Fensterplatz auf dem Oberdeck, allerdings hinten. Heidi schlief auch hier prächtig.
Wir verließen Milazzo auf der westlichen Küstenstraße, die an einem knapp acht Kilometer langen Strand entlang führt. Hinter Caldera wird die Sraße so schmal, daß Gegenverkehr eigentlich überhaupt nicht geht, was nicht heißt, daß man nicht an der einen oder anderen Stelle parken könnte! Heidi hielt sich die Augen zu - ab und an. Ich war stark am Zweifeln, ob ich nicht ein Schild übersehen hätte, aber vor uns fuhren noch zwei Autos in unser Richtung. Irgendwie schafften wir es unbeschadet auf die Hauptstraße und hatten Barcellona Pozzo di Gotto schon fast hinter uns gelassen. Das war mal ein richtiger Schleichweg. Auf der Regionalstraße 185 durchquerten wir die Berge des Parco dei Nebrodi und trafen erst kurz vor 21.00 Uhr wieder in Santa Domenica Vittoria ein.

- Novara di Sicilia
Luciano, der Wirt, bediente uns diesmal höchstselbst. Wir baten ihn, bei den Antipasti Wurst und Käse wegzulassen. Das konnten wir ihm noch klar machen. Doch als es um die Auswahl von Pasti, Carne und Beilage ging, hielt er es für besser, seine Frau nach dem Laptop zu schicken. Dort hatte er eine Übersetzungssoftware installiert, die die italienischen Speisen ins englische transponierte - sehr aufmerksam. Satt und zufrieden begaben wir uns vor unser Zimmer, um den Abend ausklingen zu lassen.
Buona Notte!
Jost



