Sardinien - 25. Mai 2012
Auf zur Cala Goloritze!
Heidi war heute schon bei Zeiten munter. Sie hatte offensichtliche wieder gut geschlafen, da kann man doch gleich mal eine Waschmaschine starten. Nach dem Frühstück wurden die Picknickbrote für den Strand von Cala Goloritze geschmiert und die Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Es konnte losgehen. Die eingeforderten Kontrollen ergaben, dass auch Heidis Badeanzug im Beutel der gesammelten Badesachen war. Ich sagte: "Ich tue den Beutel in meinen Rucksack." und legte ihn ins Auto.
Damit fing das Desaster an. Der Startpunkt für unsere Wanderung, der Parkplatz des Zeltplatzes Su Porteddu, liegt noch oberhalb Bauneis und ist in ca. zwanzig Minuten zu erreichen. Die vier Euro Parkgebühr waren schnell bezahlt und das Auto an einem schattigen Plätzchen abgestellt. Heidi hatte schonmal meinen Rucksack in Gewahrsam genommen. Gestiefelt und gespornt machten wir uns auf den Weg. Dieser gefiel uns entschieden besser als der gestrige. Es ging zwar erstmal etwas bergauf, wir mußten über einen Sattel setzen, dann aber bei angenehmem Gefälle hinunter.
- Ein gepflegter Weg______________Originelle Stallung______________Das Felsentor
Wunderschöne Steineichen und ein, zwei Olivenbäume säumen schattenspendend den Weg. In ausgewaschene Felswände haben die Hirten Stallungen gebaut. Das hab ich so noch nicht gesehen. Der Weg ist wirklich toll. Durch ein Felstor führt er uns dem Ziel entgegen. Nach knapp anderthalb Stunden standen wir auf den weißen Kieselchen der Bucht. Bisher waren vielleicht 15 Badegäste hier unten, klasse. An der Felsnadel Aguglia hatten wir sogar Kletterer beobachten können. Phantastisch diese kleine Bucht.
- Die Kletternadel__________Wunderbare Badebucht__________Wütende Heidemarie
Wir breiteten das Badetuch aus und das Desaster nahm seinen Lauf als Heidi nach den Badesachen fragte. In meinem Rucksack sind sie nicht, mußte ich zugeben. Und in Heids Rucksack waren sie auch nicht zu finden. Da müssen sie wohl noch im Auto liegen - schöner Mist. Nach überstandener Erkältung wollte Heidi endlich anbaden, das würde aber bei der Masse der Leute nudistisch nicht gehen. Ich bot ihr meine sportliche Unterhose zumindest als Bikiniunterteil an. Heidi pfefferte Kieselsteine durch die Gegend und sagte "Geh du erstmal!". Das Wasser war zwar ziemlich frisch aber nach der Wanderung eine willkommene Erfrischung.
Jetzt strömten unentwegt weitere Badelustige die Felsentreppe herunter. Als ich aus dem Wasser kam, hatte sich die Strandbelegschaft bestimmt verdoppelt. "Komm, wir gehen wieder hoch und fahren nach Santa Maria, damit ich endlich baden kann." Um 13.00 Uhr gingen wir los. Die Kletterer waren inzwischen ein gutes Stück höher gekommen. Ständig trafen wir Wanderer auf dem Weg nach unten. Wir begegneten sogar unserer Nachbarin mit ihrem Hund. Ob die Bucht nicht schön oder zu voll wäre, wollte sie wissen. Nein, alles bestens, gut besucht ja, aber ein freies Plätzchen wäre sicher noch zu finden.
Beim Schreiben fällt mir auf, daß ich garnicht weiß, ob es hier irgendwelche Vorschriften für Hunde am Strand gibt, wie es in Deutschland ja inzwischen üblich ist. Nach 1:45 kamen wir genau in der vom Wanderführer anfgegebenen Zeit wieder am Parkplatz an. Wie gesagt, ein sehr angenehmer Weg, auch bergan. Daß allerding Badelatschen auf gar keinen Fall die richtige Wahl für diesen Weg sind, ist klar - uns zumindest, dem deutschen Jüngling, der sich gegenüber seiner Begleiterin darüber ausließ, daß hier nur Deutsche seien, offenbar nicht.
Wir fuhren noch kurz bei der Wohnung vorbei, um etwas zu Lesen, Wechselwäsche und kalte Getränke zu holen. In Santa Maria Navarrese parkten wir zum dritten Mal an der selben Stelle, nahmen beide Badematten mit und versuchten, sie im Halbschatten auszurollen. Der Wind hatte da andere Vorstellungen. Wir mußten erst ein paar Steine zusammensuchen und auf den vorsichtig ausgerollten Matten platzieren, damit letztere nicht davonflogen.

- Endlich schwimmen
Und endlich betrat Heidi das Mittelmeer, das sich das aber nicht im Geringsten anmerken ließ. Es schäumte wie immer. Ich öffnete inzwischen mein kühles Bier und belegte mein Picknickbrot mit Tomatenscheiben. Das war auch nötig, um die Genießbarkeit des pappenen Teils zu erreichen. Heidi verweigerte später den Verzehr des Oberteils. Sie könne daraus herrlich knobläuchige Croutons für den abendlichen Salat bereiten. Ich bin mal gespannt.
Inzwischen saßen wir im Vollschatten. Die Badematten samt Beschwerungen und sonstigen Dingen mußten in regelmäßigen, immer kürzer werdenden Abständen vom Schatten in die Sonne expediert werden. Zwischendurch hüpfte ich auch nochmal ins Wasser und schaute mir den Vogel auf der Klippe näher an. Er sah dem, vom Angelhaken befreiten Tier absolut ähnlich. Heidi las. Als ich wieder dem Meere entstieg, wurde zum Aufbruch geblasen. Wir brauchten noch Bier und Brot aus dem Supermarkt.
Zum Abendessen gab es einen lauen Salat, von der Temperatur her. Weiße Bohnen, Möhren, Kapern, Kartoffeln und Thunfisch waren eine erstaunliche Mischung eingegangen, von der nichts übrig blieb, obwohl es als Antipasti ein Kleinigkeit von Spaghetti, Champignons und Hähnchenfleisch (siehe gestern) gab. Und auf einmal wollte Heidi was aus dem Tagebuch vorgelesen bekommen. Ich müßte den heutigen Tag noch schreiben. Dann hald gestern oder ab der Ankunft hier. Ich sag bescheid, wenn ich so weit bin.
"Was hast du eigentlich als letztes gehört?" - "Irgendwas, als wir noch in "Sa Rocca" waren." Na mal sehen. Als ich des Schreibens müde war, wiederholte ich meine Frage. Seit neun Tagen hatte Heidi die Tagebuchaufnahme verweigert, vergessen, verdrängt. Das nachzuholen, dauerte bis 23.30 Uhr, aber Heidi hielt durch - Kompliment. Buona Notte!



