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Ruhetag

Montag
14. Mai 2007

 
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Ausruhen nach der langen Reise

Mit "Dobar Dan!" wurde ich von der Verkäuferin unseres kleinen Dorfkonsums begrüßt, als ich gegen 8.15 Uhr den Laden betrat. Brötchen und Nutella, in Polen hergestellt, brachte ich zur Villa Palma. Dort wartete schon der gedeckte Frühstückstisch auf seine erste Bewährungsprobe. Wir hatten die Reisestrapazen und die erste Nacht im Feriendomizil zwar überstanden, waren aber auch noch von ihnen gezeichnet. So lautete der einstimmige Beschluß, nur die nötigsten organisatorischen und Einkaufsaktivitäten hinter uns zu bringen, um anschließend die Liegen im Garten der Villa Palma auf ihre Luxoriösität zu prüfen. Die Kopfkissen hatten den Test in der letzten Nacht nicht bestanden. So gut es gemeint ist, auf einer Diwanrolle bin ich es nicht gewohnt, zu ruhen. Also flog sie raus. Mal sehen, ob ich Ersatz finde.

Nach dem gemütlichen Frühstück galt es, unseren Kühlschrank zu füllen. Frau Bernik gab uns noch einige Tips bzgl. des täglichen Gemüsemarktes am Hauptparkplatz und des Supermarktes am Hafen. Also gut gerüstet stürzten wir uns in den Verkehr. An jedem STOP-Schild hielt ich pflichtbewußt an und gewährte die Vorfahrt nach allen Regeln der Kunst. Bis ich bemerkte, dass dies nur die dämlichen Touristen tun, denen drei Punkte in Flensburg drohen, wenn sie nicht hielten. STOP-Schilder sind, so mein Eindruck, den normalen Vorfahrtsschildern gleich-, werden aber meist an wirklich stark befahrenen, großen Straßen aufgestellt. Natürlich kamen wir trotzdem ziemlich zügig in die City von Poreč. Beim gestrigen Spaziergang hatten wir einen KONZUM entdeckt, in dessen Eingangsbereich auch ein Geldautomat seinen Dienst tat. Dort war jedoch weder ein Parkplatz zu erhaschen noch konnte man überhaupt dort vorbeifahren, weil ein Kleinlaster die Durchfahrt verstellte. Das Liefern der vollen bzw. Verladen der leeren Bierkästen zog sich bestimmt fünf Minuten hin. Wir standen so an vierter Stelle der z.Z. immobilen Warteschlange. Was mich am meisten überraschte, war, daß kein einziger Ton irgend eine Hupe verließ. Geduldig und verständnisvoll warteten alle Betroffenen auf das Ende der regelwidrigen Aktion. Gut, jetzt schauen wir mal zum empfohlenen Supermarkt am Hafen. Ein Parkplatz, der zum Supermarkt gehören könnte, war nicht zu finden. Für 6,-Kuna Parkgebühr ließen wir unser Gefährt am Hafen stehen und erklommen die Stufen, die Supermarktkunden und Gäste des Hotels "Poreč" gemeinsam nutzen. Offensichtlich besteht die Intension, dies auch auf den Parkplatz zu übertragen, was aber von den vielen parklatzsuchenden Insidern nicht tolleriert wird. Das System funktioniert nicht, man kann hier nicht schwer einkaufen. Da wir die bezahlte Stunde noch nicht völlig mit dem Einkauf vertrödelt hatten, konnten wir uns am Hafen noch ein zweites Frühstück in Form von Limonade, Orangensaft und Erdbeershake leisten. Anschließend war umparken angesagt, denn der Gemüsemarkt wollte noch erkundet werden. Einen kostenlosen Parkplatz fanden wir in der Nähe der Polizeiwache, die auch nur hundert Meter vom Hauptparkplatz entfernt ist. Und am Rande des Parkplatzes steht das große, grüne Zelt, das die Stände von zwei Obst- und Gemüse- sowie 18 Gemischtwarenhändlern beherrbergt. Preisabsprachen sind so normal wie überall (das Kilogramm Kartoffeln 10,-Kuna) nur die Qualität variiert. Die Dominanz von Großhändlern ist nicht erkennbar. Ach und an einem Stand wurde auch Schach gespielt. Während ich einen Blick auf den Endkampf warf (4 Bauern, Turm, König - ein Bauer weniger), kauften Karin und Heidi schon fleißig Käse von Schaf und Ziege. Der angebotene und zu verkostende Likör für die Damen war viel zu süß und Slivovic hatten wir schon im Supermarkt erstanden. Auffällig sind die fehlenden Steuerbanderolen am Schwarzgebrannten. Und der Wein wird in Limoflaschen an den Kunden gebracht. Die istrische Spezialität soll der honigversetzte Grappa sein. Warum der sich als Bosnier vorstellende Händler allerdings die Rezeptur und damit das Patent auf seinen Großvater zurückführte, war nicht ganz schlüssig. Gut, Knoblauch und eine geschenkte Peperoncini nehmen wir noch mit zum Auto. Endlich hatten wir alles Nötige beisammen.

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Die Lesewiese
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Paradiesische Aussichten

Zurück in der Villa Palma wurden die Gar­ten­liegen ausgepackt und wir vertieften uns darauf in unsere Reiseliteratur. "Die Erfinder des Todes" von Val McDermit liest sich wirklich gut, auch wenn man vorher Philipp Roth gelesen hat. Gegen 14.30 Uhr hatte uns die Sonne derart eingeheizt, daß ein Bad in der Adria erwogen wurde.

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Gänsehaut?

Mit dem Auto waren wir im Nu am Strand, wo der Wind eine ausgewachsene Gänsehaut auf Karins Arme zauberte. "Sehr attraktiv!" meinte ich, was Karin überhaupt nicht nachvollziehen konnte. "Bei solchem Wetter kriegen mich keine zehn Pferde ins Wasser!" sagte sie zwar nicht, es verhielt sich aber so. Heidi und ich hatten erhebliche Mühe das tiefere, für's Schwimmen geeignete Wasser zu erreichen, da trotz Badeschuhen der Untergrund nicht nur uneben sondern auch noch ausgesprochen glipschig war. Die Wassertemperatur ist allerdings genial, also 20°C bestimmt. Nach einer Stunde lagen wir schon wieder auf den Liegen im Garten und genossen den ersten richtigen Urlaubstag.

Der Quark mit Zwiebellauch, Knobi und Olivenöl an Pellkartoffeln bildeten den kulinarischen Höhepunkt des Tages. Nachdem alle photographischen Aufnahmen von den Speichermedien auf den Laptop übertragen waren, folgte der visuelle Höhepunkt des Abends bei Weißwein und Slivovic. Zu guterletzt wurde auch noch der erste Tagebucheintrag intoniert. Aller guten Höhepunkte sind drei.

Jost

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