Kuba - 11. März 2016
Durch das Viñalestal

- Sehr dekorativ
Das Frühstück hatten wir für 8.00 Uhr bestellt. Auf die Minute kam Boris heraufgestiefelt und servierte den Obstteller. Den Tisch hatte er schon eingedeckt. Umgehend folgten Kaffee und heiße Milch in Thermoskannen und auf meine Frage nach einem eventuellen Nachschubwunsch hieß es, kein Problem. Die obligatorischen Eier ließen wir uns gerühert, nicht geschüttelt, servieren. Es war alles ein ausgewogener Genuß.
Nach dem Frühstück hieß es Geld zu tauschen, denn die gestrige Auffrischung der Familienkassen würde nur kurzfristig genügen. Mit Boris sprachen wir über unser Problem mit dem Kühlsystem des Autos. Gesternabend war das Lämpchen wieder erglommen. Er meinte, er sei Jahre lang mit stillem Wasser gut gefahren. Ungefähr ein Dreiviertelliter war nötig, um wieder in den grünen Bereich zu kommen. Günter fuhr uns in die City von Viñales und parkte dort in einer Nebenstraße.
Vor dem Lebensmittelgeschäft und vor der staatlichen Wechselstelle hatten sich sozialistische Wartegemeinschaften gebildet. Wir reihten uns vor dem Geldinstitut ein und warteten auf Günter, der mit seinem potentiellen Fersensporn etwas hinterherhinkte. Aber die Schlange bewegte sich kaum und so überlegten wir uns, Boris im „Don Tomas” zu besuchen und nach einer geführten Wanderung zu fragen.
Er war leider außer Haus, würde aber in zwanzig Minuten wieder eintreffen. So leisteten wir Günter zwischenzeitlich Gesellschaft, die Schlange rekelte sich in der Sonne, kam aber nicht voran. Mit Boris verabredeten wir, daß uns ein englischsprachiger Führer gegen 13.00 Uhr an seiner Casa abholen und uns die Gegend samt Tabakproduktion zeigen sollte. Günter hatte es inzwischen in die gut bewachte Wechselstube geschafft. Asl er mit den CuC wieder zu uns stieß, erfuhren wir, warum hier alles so lange dauerte. Nach Vorlage seines Passes durfte Günter den zu tauschenden Eurobetrag übergeben. Nun wurde jede einzelne Euronote manuell und visuell auf Autentizität geprüft. Stichprobenmäßig erfolgte der Test unter UV-Licht. Jetzt konnten endlich die Registriernummern der 50,- Euronoten aufgeschrieben und per Computer abgeglichen werden. Das nenne ich mal eine gründliche Fälschungskontrolle, die alles in allem eine ganze Stunde gedauert hatte.

- Prähistorisches Motiv
Als nächstes wollten wir erstmal zwei Sehenswürdigkeiten des Viñalestales, die von Fidels Sekretärin entworfenen Felszeichnungen über die Entstehung der Menschheit und den Mirador am Hotel Las Jazminas besuchen. Die als Prähistorische Wandmalereien ausgewiesenen, monumentalen Bilder betrachteten nur aus respektvoller Entfernung zumal die nähere Betrachtung mit finanziellem Aufwand verbunden ist, was wir nicht für angemessen hielten.
- Alle relevanten Entfernungen_______Die Combo______________________Günter mit Künstler
Am Mirador wird zwar kein Eintritt verlangt, aber ein junger Mann machte uns per Zeichen deutlich, daß er auf das Auto achten würde. Am Mirador steppte der Geier. Ein vergoldeter Zigarrenwickler posierte für die Touristen, während eine Kombo für die musikalische Untermalung sorgte.

- Blick vom Mirador
Der Blick über das Viñalestal war beeindruckend im Gegensatz zum Angebot der Souvenierstände. Dies wiederum hatte den Vorteil, daß unsere Geldbeutel geschont wurden. Zurück in Viñales versuchten wir vergeblich, unseren favorisierten Rum zu bekommen. Dafür ging die Kühlsystemwarnlampe wieder an. Wir würden reichlich Mineralwasser bunkern müssen, wenn wir nach Cienfuegos kommen wollten.
Aber zuerst wollten wir eine Kleinigkeit essen. uns also gerade nicht in eine Gaststätte setzen. Erst bei
Cusita
Cusita wurden wir zu unserer vollsten Zufriedenheit bedient. Die Sandwiches
waren ein Gedicht. Unser multilingualer Guide erschien um 13.45 Uhr und stimmte uns mit seinen Verdienstvorstellungen von 5,- CuC pro Stunde und Person auf die Führung durch
das Tal ein. Insgesamt machte er auf mich einen etwas lustlosen Eindruck. Er empfehle immer, die Tour am Vormittag zu unternehmen. Gut es war schon etwas warm jetzt, aber durchaus auszuhalten.

- Durchs fruchtbare Tal
Auf roten Pfaden stapften wir durch dei Gegend und ließen uns die Entstehung von Teichen, die Spitznamen von Bäumen
(Touristen-
Die Haut des Baumes blättert ab - Sonnenbrand und
Glücksbaum
Wer da drei Meter hochklettert, wird glücklich) und die Herstellung von
Zigarren erklären.
- Künstlicher See_______________Beim Zigarrendrehen____________Pina Colada
Neunzig Prozent der Ernte liefert jeder Tabbaccero an das Kombinat für Räucherwarenherstellung und zehn Prozent darf er selbst verwerten. In unserem Falle tut er das durch biologische Fermentierung, ich konnte mir nur Tee, Ananassaft und Honig aus der Zutatenliste merken, liebevolles Rollen und schnödes Verkaufen des Endproduktes. Für zwanzig Zigarren möcht er dann schon 60,- CuC sehen. Die Kostprobe wurde am Mundstück ebenfalls mit Honig verfeinert. Sie brannte etwas unrund, war aber ansonsten ihren Preis wert. Die Frau des Tabakbauern lud uns zu einer Pina Colada ein, zu der sie die geschmackliche Grundlage und eine Flasche Rum bereitstellte. So konnte das Mischen des Getränkes individuell angepaßt werden und also nur gelingen.
- Ein Bauernhof____________Hahnenkampfarena_______________Die Wandergruppe
Weiter ging es durch das Tal mit seinen typischen Bauernhöfen. Über Stock und Stein, unser Guide wollte uns erfahren lassen, wie schwer es so ein Landarbeiter hat, langten wir nach zweieinhalb Stunden wieder an unserer Casa an. Günter war ganz erpicht auf unsere Beschreibungen hinsichtlich der verschiedenen Kartoffelsorten (Maniok, Malanga, Süßkartoffel) und dem, was Schwiegermütter angeblich mit Maniokwurzeln gemeinsam haben. Am besten sind die, die am tiefsten in der Erde sind. Das sei ein Scherz, haha, meinte der Guide. Leider war in der Hahnenkampfarena gerade Pause gewesen, sodaß ihre Existenz das interessanteste Berichtenswerte blieb.
Komischerweise saß Günter vor Boris´ Wohnung und erwartete einen Anruf. Unser Auto wollte nun garnicht mehr. Aber Günter hatte mit Hilfe Boris´ Schwiegervater schon die Lösung des Problems angeschoben und saß deshalb hier unten. Wir entschlossen uns, auch heute bei Boris & Cusita zu Abend zu essen, nur das wir die Gerichte diesmal tauschten. Der Anruf kam schon kurz vor sechs Uhr. Ein Ersatzwagen sollte gegen 20.00 Uhr hier eintreffen. Das hörte sich gut an. Nur Cusitas Mutter blieb skeptisch.
Das Essen war wieder toll und als wir gerade fertig waren, kam auch das Auto. Boris kannte sogar den Fahrer und nannte ihn seinen Freund. Er war direkt aus Havanna gekommen. Der große Peaugot hatte schon 145-tausend Kilometer runter und keine automatische Schaltung mehr. Hauptsache er fährt. Der Fahrer selbst wollte unbedingt noch nach Havanna zurück, sonst würde sein Frau ihn umbringen, meinte er. Wir wünschten ihm viel Glück und genügend Kühlwasser. Inzwischen hatte sich unter dem Audi eine kleine Pfütze gebildet. Der neue Vertrag mußte noch unterschrieben und die Benzinstände geschätzt werden. Dann kehrte wieder Ruhe ein und wir waren sehr zufrieden, daß alles so gut geklappt hatte.
- Das älteste Gebäude___________José Marti____________________Die Kirche
Endlich konnten wir zum gemütlichen Teil des Abends übergehen. Boris hatte uns eine Einführung ins Zigarrerauchen versprochen. Er machte uns mit den grundlegenden Regeln bekannt:
- Zeit und Ruhe einplanen.
- Nie inhallieren.
- Zigarre immer mit den Zähnen und nicht mit den Lippen halten.
- Die Länge der Asche ist wichtiges Zeichen, niemals gezielt abaschen.
- Zigarre beim Rauchen ständig weiterdrehen.
- Am Ende sterben lassen.
Nach schwerem Essen sollte man ebensolche Zigarren bevorzugen. Und zwischendurch einen passenden, guten Rum oder Whisky dazu zu trinken, erhöht den Genuß. Boris hatte für die Frauen leichte, dünne Zigarren, für uns etwas stärkere, mittlere und für alle ein Gläschen Rumlikör mitgebracht. Er liebt Süßes.
Die Zigarren wurden hochprofessionell entzündet und wir genossen das ganze Prozedere. Als dann alle Zigarren brannten, entspann sich eine interssante Unterhaltung über Gott und die Welt. So ergab es sich auch, daß Boris uns seine Weinsammlung im Eßzimmer zeigte und Heidi das sizilianische Lemoncellorezept weitergab. Auf dem Grundstück steht ein Baum, der Mandarinenzitronen trägt. Die will er nutzen. Vielleicht erfahren wir ja, wie die sich dafür eignen. Da Boris´ Bruder seinen Besuch angekündigt hatte, verließ uns Boris für diesen Abend. Wir ließen das Ereignis mit Cuba Libre ausklingen.
Jost



