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Punta Revellata

Montag
17. Mai 2004

 

Nahwanderung

Heute ist Montag und ebenso schönes Wetter, wie die Tage zuvor. Alles blüht und grünt, dass es eine Freude ist. Das allgemeine Interesse lag auf etwas Bewegung in der herrlichen Natur, was durch eine erste Wanderung in der näheren Umgebung am einfachsten zu befriedigen war. Punta Revellata ist eine westlich unseres Domizils gelegene, attraktive Halbinsel, die wir zu umrunden gedachten. Von der Calvinistischen Zitadelle aus sieht man einen alten Leuchtturm, den wir uns bei dieser Gelegenheit einmal näher anschauen wollten. So ein kühles Getränk an aussichtsreichem Punkte, das wäre doch ein lohnendes Ziel. Also brach der wandernde Teil der Gemeinschaft gleich nach dem Frühstück um 11.00 Uhr wohlgemut zu der mit ca. 2,5 Stunden angegebenen Tour auf. Der nichtwandernde Teil wandte sich der sachsen-anhaltinischen Heimatliteratur zu.

Ich sag's gleich, wir brauchten vier Stunden. Das lag allerdings weniger an der Kompliziertheit des Parcours als vielmehr an der überwältigenden Blütenpracht. Ich fotografierte wie wild alles, was mir vor die Linse kam: Korsischen Ginster, Myrte und Schopf-Lavendel, Baumerika, Pistazie und verschiedenste Zistrosenarten. Sogar eine Orchidee war darunter. Einiges fotografierte ich auch nicht. Die Zuordnung der Bilder zu den schönen Blumen wird wohl ein Biologe vornehmen müssen. Auch das Meer wurde fotografisch dingfestgemacht.

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Wie eine Sonne
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Plage d'Alga

Ach ist das Meer schön blau! Der Plage de l'Alga macht seinem Namen alle Ehre. Man muss über einen meterdicken, weichen Algenteppich, um ans Wasser zu gelangen. In der Hochsaison scheint hier so viel Betrieb zu herrschen, dass es sich lohnt, einen Kiosk zu betreiben. Zur Zeit ist der Kiosk zwar offen aber nicht so richtig geöffnet. Die Stromkabel hängen energielos rum, wodurch auch die Kühltruhe zur Untätigkeit verurteilt ist. Die Sitzkombinationen räkeln sich in der Gegend herum und der Abort hofft auf bessere Zeiten. Mit ein wenig Phantasie kann man sich den gehörigen Aufwand vorstellen, der für die Restauration der Schönheit des Strandes vonnöten sein wird. Ach ist das Meer schön blau! Wir wandern weiter an der Ostküste der Halbinsel in Richtung Cap Revellata.

Wilko und ich wählten den unteren Küstenweg, wogegen sich Barbara, Heidi, Karin und Heinz für den oberen entschieden. Ich füllte weiterhin den Speicher des Fotoapperates mit allem Möglichen. Dabei handelte es sich um verschiedene Ansichten Calvis, einer Eidechse und weiterer diverser Pflanzen und Mitwanderer.

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Schön in der Sonne
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fleißig, fleißig

Denn der Weg vereinigte sich kurz vor dem Cap wieder. Einige, wenige (vier?) Häuser haben den Sprung auf die hintere Halbinsel geschafft. Leider ist keine öffentliche Wirtschaft dabei. So erhielt der dürstende Heinz auf die Frage nach einem Glas Milch nur die unkooperative Antwort "prive". Auch der kurz darauf folgende, wunderbar blühende Steingarten half Heinz nicht weiter. So blieb nur die vage Hoffnung auf einen Kefir am Leuchtturm. Nach einem kurzen, kräftigen Anstieg, dem der Durst parallel folgte, war das Verbotsschild selbst eigene, im Schweiße des Angesichtes herangeschleppte Getränke zu verzehren, ein Schlag ins Gesicht der sonst so friedlichen Wandergesellschaft. Der harten Strafe des Hausherren der Station de Recherche Oceanographique gewahr, zückten wir unsere Wasserflaschen und straften das Schild mit Missachtung. Im Hause regte sich nichts. Wahrscheinlich wagte sich niemand, gegen unsere wütende Übermacht heraus. Wir betrachteten die herrliche See.

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Heinz mit Aloe Vera
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Der Leuchtturm

Ach ist das Meer schön blau! Und langsam legte sich der Frust. Wilko kletterte noch über eine Absperrung und Heinz teilte seinen Kummer mit einer attraktiven Hecke. Tapfer hatten wir unser Grundrecht auf freie Getränkeaufnahme verteidigt und so zogen wir siegreich heimwärts.

Auf dem breiten Versorgungsweg bewegten wir uns bis zu einem Sattel oberhalb des Portu Vecciu, von dem aus wir das Meer auch nach Westen hin genießen konnten. Das war der beste Platz für unser nun ausgiebigeres Picknick. Ach ist das Meer schön blau! Weiter ging's geradeaus bis wir an den Abzweig zum Algenstrand kamen. Wilko versuchte eine Abkürzung zu finden, was ihm mangels Machete gründlich misslang. Da wir den restlichen Weg ja schon kannten und ich auch sämtliche Blüten schon abgelichtet hatte, kamen wir für unsere Verhältnisse sehr schnell wieder zurück zu unserer Residence Tramariccia.

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Das zischt

Ein schönes kaltes Bier (0,25 Liter!) reichte natürlich nicht, um den inzwischen wieder aufgekommenen Durst zu löschen. Das Bad im Pool erfrischte uns gar sehr. So waren wir nach einer angemessenen Pause in der Lage, den Supermarkt zu frequentieren und ein paar Dinge für's Abendbrot zu besorgen.

Pellkartoffeln und Quark stand auf dem Speiseplan. Allerdings musste jede Familie wegen der verfügbaren Töpfe selbst Kartoffeln kochen und wegen der Diversität des Quarks eigene Zubereitungen einbringen. Diese wurden dann reihum verkostet und wie nicht anders zu erwarten, wurde der allgemein bekannte Grundsatz über die verschiedenen Geschmäcker erneut bestätigt. Heinz schmeckte Karins provencalische Variante am besten, Günter machte sich für Barbaras Kräuterquark stark und ich genoss heimlich Heidis Zaziki - natürlich neben den anderen beiden. Da der Quark doch recht fett war, genehmigten wir uns den einen oder anderen Aachener Pastis.

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fröhliches Lagerleben

Und dann durften die Männer endlich ihre erste Skatrunde in Angriff nehmen. Wir taten etwas gelangweilt, während die Damen sich ihrer Literatur hingaben und wir uns am Kartenspiel erfreuten. Pik war die Farbe der Stunde und es gingen drei Spiele hintereinander verloren, bis Günter den Bann brach. Als es zu dunkel wurde, um die Karten noch erkennen zu können, standen die Gewinner und natürlich auch der Frischbierrundenverlierer fest. Heinz brennt auf Revanche. Als der Pastis geleert war und es immer noch nicht hell wurde, gingen wir, ein jeder in sein Bungalow, um erwartungsfroh in den nächsten Tag zu träumen.

Jost

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