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Corte

Dienstag
25. Mai 2004

 

Mit der Bahn gen Süden

Mitten in der Nacht wurden wir von immer wiederkehrendem Gepiepe geweckt - 6.45 Uhr! Der eigene Wecker! Ach ja, die Eisenbahn würde pünktlich um 8.20 Uhr den Hauptbahnhof Calvis in Richtung Bastia verlassen und wir wollten doch dabei sein. Das Verlassen des Camps war auf 7.45 Uhr terminiert und Frühstück hatten wir auch noch vorgesehen. Also flugs heraus aus dem Neste. Der Himmel strahlte schon und steckte uns mit seiner guten Laune an. Was die Abfahrt betrifft blieben wir sogar im akademischen Viertel (7.55 Uhr). Da die Entfernung zum Parkplatz nicht allzu groß ist (ca. 2km) hatten wir noch volle 10 Minuten Zeit, unsere Fahrkarten zu lösen. Im Zug war ausreichend Platz und so rumpelten wir mit dem dieselgetriebenen, schmalspurigen Zug ersteinmal am Strand entlang. Bis L'Île-Rousse hält er dann nur auf Anforderung und auch nur zum Zwecke des Zusteigens. Die Reisenden genießen ersteinmal die erneut veränderten Perspektiven, denn die Bahntrasse differiert zum Teil stark von der Straßenführung. Auf der Höhe der Île de la Pietra verläßt der Zug die Küstenlinie und schlängelt sich jetzt an den Flanken der Berge entlang durch neun Tunnel nach Ponte Leccia, wo wir umsteigen mußten. Der Zug von Bastia nach Ajaccio mußte einige Minuten auf uns warten, denn ein paar Kühe hatten schlauerweise die Kühle eines Tunnels gesucht. So ähnlich könnte es vor langer Zeit im Wilden Westen zugegangen sein.

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Gewimmel beim Umsteigen

Das Umsteigen geschah mit der üblichen Hektik. Leider waren schon alle Sitzplätze besetzt. Nun gut, die 36 Minuten bis Corte würden wir auch stehend be­wäl­tigen. Die schnee­be­deck­ten Gipfel rückten immer näher und bunt blühenden Wiesen kennzeichneten die Landschaft. Ab und an hätte man meinen können, durch die Alpen zu fahren.

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Alpine Landschaft

Am Corter Bahnhof nahmen wir der Bäckerin noch einiges Backwerk ab, bevor wir vor einem Straßenkaffee Oran­gengetränke, Cola und Kaffee zu uns nahmen. Corte ist entschieden kleiner als Bastia und dadurch auch gemütlicher. Auch ist bei weitem nicht soviel Bau­sub­stanz am Zerbröseln. Wir ver­ab­schie­deten uns von Günter, der seine archi­tektonischen und markt­wirt­schaftlichen Studien weiterführen woll­te, und bra­chen in Richtung Gorges du Tavignano auf. Es ging schon gegen zwölf Uhr, als uns ein Esel, mehrere Ziegen und Hunde am Eingang des Tales begrüßten. Vor uns lagen 4½ Stun­den aktive Erholung und eine Stun­de Abhängen an der Hängebrücke.

Die 300 Höhenmeter waren durch das ständige Auf und Ab nicht so offen­sichtlich. Man merkt sie aber sehr wohl irgendwann in den Beinen. So weit waren wir jedoch noch nicht. Ersteinmal mußten wir auf den original alten Hirtenweg finden, was problemlos gelang. Die ver­wil­derten Terrassenfelder am Südhang wiesen auf die Schwierigkeiten und Härten ihrer Bewirtschaftung hin. Der Tourismus ist mit Sicherheit einträglicher und mit weniger kör­per­lichem Einsatz verbunden. Nach und nach entfernten wir uns von Corte und bald waren keine Häuser mehr zu sehen.

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Rückblick
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Ein bequemer Weg

Am R. d'Anita kamen wir an den ersten Badenden vorbei. Das heißt, sie trockneten sich gerade ab, was den Schluß nahelegte, daß sie im sehr kalten Wasser waren. Vom Felsbalkon lugten wir in die Schlucht des Tavignano. Weiter ging es aufwärts in Richtung Hängebrücke. Die aufragenden Fels­käm­me sind dünn mit Lariciokiefern bewachsen. Ab und an steht auch ein alter Olivenbaum am Rande. Als die Beine immer schwerer wurden, fragte Willi entgegenkommende Wanderer nach der verbleibenden Länge der Wegstrecke und siehe, es waren nur noch zehn Minuten.

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Die Brücke

Das gab uns neue Kraft. Trotzdem war die En­täu­schung groß, als uns die Brücke zu Gesicht kam. Die Metamorphose in eine massive Holzbrücke tat der Romantik erheblichen Abbruch. Nur unserem Hunger nicht. Der Wind war frisch, die Sonne verschleierte sich leicht und so hatten wir uns schnell erholt. Wei­tere Abkühlung durch ein Bad im kalten Flüßchen war also nicht mehr nötig. Ich füllte eine Wasser­flasche an der Brückenquelle, bevor wir uns auf den Rückweg begaben. Obwohl es derselbe Weg ist, kommt er mir völlig anders vor. Der Abstieg ist nicht mehr so schweißtreibend und so reiten wir um 17.30 Uhr in einem der vielen Caffés am Place Paoli ein. Günter hatte sich bei Willi schon telefonisch in Richtung Bahnhof abgemeldet. Sechs Bier vom Faß (2,5 €), zwei Eistee (2,3 €) und ein Eisbecher ließen die Rechnung auf 25,- € anwachsen. Am Bahnhof trafen wir dann Günter, frequentierten erneut den Bäcker und warteten auf den Zug, der die zwanzig Minuten Verspätung bis Ponte Leccia natürlich nicht mehr aufzuholen vermochte. Drei Fünftel der Reise­gesellschaft hatten das Glück, in dem Einzelwagon, aus dem der "Zug" bestand, einen Sitzplatz zu ergattern. Die restlichen zwei Fünftel durf­ten weitere 35 Minuten (lt. Fahrplan) stehen.

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L'Île-Rousse

Auch diesmal wartete der Anschlußzug. Zum Glück hatte dieser wieder zwei Wagen. Da nur ein Teil der Fahrgäste weiter nach Calvi wollte, konnten jetzt wieder alle sitzen, was bei gut an­dert­halb Stunden Fahrtzeit einfach beque­mer ist. Schnell ergab sich, daß die Skat­karten auf den "Tisch" kamen. Dadurch wurde die Fahrt für die Herren der Schöpfung recht kurzweilig. Die Damen schauten auf die beruhigende, grüne Landschaft, die so beruhigend war, daß Einer mal kurz die Augen zufielen. Die Bahnfahrt war gut mit dem Lauf der Son­ne abgestimmt, was es mir ermög­lichte, die Île-Rousse bei Unter­gangs­stimmung zu fotografieren. Nach einigen weiteren gespielten Grands kamen wir auch schon in Calvi an.

Willi chauffierte uns sicher in die Residence, wo wir die Aufnahmen des Tages bei Pastis begutachteten. Für morgen ist Ausruhen angesagt! Die um sich greifende Schläfrigkeit ist am besten im Bett zu ertragen. Gute Nacht!

Jost

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Es war einmal...

PS: Und so sah die Hängebrücke aus:

Vielen Dank an Peter Sykora!















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