Kanada - 27. August 2014
Mit dem Rad unterwegs
Das Frühstück auf der Terrasse war wieder ausgesprochen angenehm. Den Weg zum Bahnhof von Saint-Jérôme fanden wir ohne jedes Problem. In der dortigen Information erhielten wir auf die freundlichste Weise alle nötigen Auskünfte. Nur hatte die Fahrradverleiherin keine Lust, uns irgendwelche Räder zu leihen. ”Nö, die sind sowieso zu groß.„ ”Aber wenn man die Sättel verstellen könnte...„ Allerdings hatten alle sechs verfügbaren Räder Herrensättel, die auf gar keinen Fall ausgetauscht werden könnten. Immerhin erhielten wir von der etwas kauzigen Dame die Adresse eines Kollegen.
Dort war das alles gar kein Problem. Wir sollten die Räder nur vor 6.00 p.m. zurückbringen (54,-C$). Auch bei der Parkplatzsuche wurden wir selbstverständlich unterstützt. Nun hatten wir die Räder eher als unsere Marschverpflegung. Zuerst suchten wir nach dem Bäcker, in dem wir am Montag eingekauft hatten - ohne Erfolg. Auf der Stadtkarte der Information war eine Bäckerei eingezeichnet, die zwar nicht der gesuchten entsprach, aber trotzdem gutaussehendes Gebäck anbot.
Auf dem Weg dorthin sprang mir auch noch die Kette vom Kranz. Ich hatte wohl zu stark beschleunigt. Das sollte zum Glück das einzige Mal bleiben, ich hielt mich entsprechend zurück mit dem Beschleunigen. Da wir nun Brot und Kuchen hatten, brauchten wir noch Obst und Getränke. Zufällig stießen wir auf einen Delikatessenladen, der ein ganz tolles Angebot hatte. Die zwei Pfirsiche waren ein Gedicht, Heidi schwärmte vom Apfelsaft und ich würde später mein erstes japanisches Bier, in Kanada gebraut, trinken.
- Der Picknicktisch______________Und unser Gast______________Station Prévost
Endlich konnte es losgehen und wir auf die ”Route de petit Train„ einschwenken. Der Langstreckenradweg ist auf einer alten Eisenbahntrasse angelegt worden, was zu einer nahezu horizontalen Strecke mit sanften Steigungen führte. Es war demzufolge ein angenehmes Vorwärtskommen ohne bemerkenswerte Höhepunkte. Am alten Bahnhof von Prévost hielten wir unser Picknick ab. Das war so gut, daß sogar eine schwarzgelbe Raupe aus ihrem Versteck kam, einen gewissen Anteil einzufordern.
- Angenehme Temperatur___________Natur pur___________________Eine Leseratte
Der Rückweg war eigentlich noch einfacher, weil es ja jetzt fast ausschließlich bergab ging. Am Eingang zum Regionalpark machten wir es uns, so gut es ging, am Ufer des Rivière du Nord gemütlich. Zum Tagebuchschreiben war es aber doch zu unbequem. Auf der Bank einige Meter weiter ging es besser.

- Ein Haus steriler...

- ...als das andere
Wir fuhren dann weiter, kräftig bergab in den Park hinein, querten den Fluß über eine Brücke und standen plötzlich vor dem Highway 15. Ein alternativer Weg war nicht auszumachen und so fuhren wir über die Brücke zurück, um wieder auf den originalen Fahrradweg zu gelangen. Da wir aber nicht unbedingt den Berg wieder hinaufradeln wollten, kam uns der Ausgang zu einem elitären Wohnviertel gerade recht. Es handelt sich um ein Rondell, zu dem es nur eine Zufahrt gibt. Diese Zufahrt ist leider die Autostraße 117, was Heidi überhaupt nicht behagte. Zum Glück waren es nur ungefähr 800 Meter und wir konnten wieder den Fahrradweg des kleinen Nordzuges nutzen.
Jetzt hatten wir uns ein Eis verdient. Der Eisladen hielt leider nicht, was er versprach. Jedenfalls entsorgte Heidi ein Teil des Eises in der Tonne. Als es anfing zu tröpfeln, waren wir fast beim Verleiher eingetroffen. Wir blieben trocken. Der Chef war nirgends zu sehen und die Suche nach dem Ausleihformular verlief erfolglos. Also mußte der Chef geholt werden, der die Prozedur wohl vergessen hatte. Seinen Leuten hätte er sicher die Ohren langgezogen, hätten sie keinen Nachweis über ausgeliehene Fahrräder erstellt. Wir nahmen es als Vertrauensbeweis.

- Pause

- Und Action
Diesmal kamen wir ohne die geringsten Abweichungen auf dem schnellsten Weg heim zu Anne-Marie und Aimé. Heidi begann unsere sieben Sachen zusammen zu packen und ich fuhr mit den beiden nach Alt-Saint-Colomban, um dem Enkel beim Soccer zuzuschauen. Zack ist ein pfiffiges Kerlchen und hat ein großes Bewegungstalent. Ich glaube, auf vier Kleinfeldern übten pro Platzhälfte eine Mannschaft á 8 bis 10 Jungs und Mädchen. Die jungen Eltern hatten sich meist Campingstühle mitgebracht. Längeres Stehen macht nämlich unglücklich. Das Abschlußspiel endete 2:2 und alle waren zufrieden.
Jetzt mußten wir uns aber sputen, denn Anne-Marie hatte für 7.45 p.m. einen Tisch beim Vietnamesen bestellt und Heidi würde bestimmt schon warten. Ich zog mich noch schnell um und los ging’s in Richtung Saint-Jérôme. Ah, da war doch der so sehr vermißte Bäcker. Endlich wissen wir’s.
Das Essen war wirklich gut und der mitgebrachte Wein paßte hervorragend zu den Speisen. In vielen Gaststätten ist es üblich, die Gäste zu bitten, ihren eigenen Wein mitzubringen, da die Wirte die hohen Gebühren für die Ausschankgenehmigung nicht tragen bzw. den Gästen aufhalsen wollen.
Wieder daheim schauten wir uns, wie gewohnt, die Bilder des Tages an und tranken noch einen Absacker, bevor sich Anne-Marie ins Bett verabschiedete - frühe Besprechung. Mit Aimé saßen wir noch ein, zwei Absacker und plauschten angeregt.
Bonne nuit!



