Sizilien - 24. Mai 2006
Die barocke Idealstadt
Noto erreichten wir mit Müh' und Not... na gut, wir kannten den Weg und es ist gottseidank niemand krank. Nur in den sizilianischen Städten mit ihrem Einbahnstraßenwahn und Parkverbotskoller einen Parkplatz zu finden, ist nicht so einfach. Man könnte schier verrückt werden. Gut die Straßen sind eng und da die Italiener am liebsten vorwärts einparken, wird die verfügbare Straßen- oder Gassenbreite noch geringer. Die wie sauer Bier angebotenen, sonnigen, größeren Parkplätze sind meist so weit vom Zentrum entfernt, daß man eine Busgesellschaft bräuchte, die nicht nur alle 40 Minuten nach den potentiellen Verlierern wie Touristen und Führerscheinverweigerer schaut.

- Auch Wahlwerbung geht hier gut
Diese Parkplätze ignorierten wir also und in der Stadt, etwas abseits vom barocken Überschwang, fanden wir ein vorerst schattiges Plätzchen. Daß nachher die flexible Sonne das Auto doch ins Visier genommen haben würde, ließ uns völlig kalt. Sollte doch die Klimaanlage zusehen, wie sie damit fertig würde. Solange würden wir hald die Fenster öffnen, was bei normaler Gassengeschwindigkeit durchaus Linderung der Temperaturbelästigung schafft und auch Heidis Frisur überleben läßt.
Im Moment sah Noto eher aus, wie viele Städte in dieser Gegend. Die Straßen verlaufen rechtwinklig und sind meist abwechselnd in die eine oder andere Richtung befahrbar. Kleine Geschäfte haben ihre Kundschaft und eine große Kirche steht an einem großen Platz, dessen schattige Bankplätze von den Pensionären gepachtet scheinen.

- Das Stadttor - eine Art Triumphbogen
Wir waren oberhalb des neuen Zentrums aufgeschlagen, was den Vorteil hatte, daß wir zufällig an der Information vorbei kamen. Seit 2002 ist Noto in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und jetzt wird versucht, alles was dreihundert Jahre der menschlichen Gesellschaft ausgesetzt war, möglichst gleichzeitig zu sanieren. Die dafür notwendigen Absperrungen führen einen fast zwangsläufig von der Chiesa SS. Crocifisio zur Touristeninformation. Da das Gebäude, in dem sich diese für unsereins so wichtige Institution befindet, total eingerüstet und hinter Sperrholzwänden versteckt ist, braucht man auch noch etwas Glück, um fündig zu werden. Zum Beispiel könnte ein Bauarbeiter, der damit beschäftigt ist, das Seil, das er sonst für die Versorgung der oberen Geschosse mit Baumaterial benutzt, so zu legen, daß kurzfristig auf Passage drängende Fahrzeuge auch drüberfahren können, den träumenden Touristen warnt, daß solch ein Fahrzeug sein Leben gefährden könnte. Der Tourist springt erschreckt in eine glücklicherweise verfügbare Niesche in der Bretterwand und steht - welch Überraschung - in der Touristeninformation der Stadt Noto. Wenn das nicht geschickt ist! Wir erfuhren, daß wir die diesjährige Infiorata verpaßt hatten. Da wir nicht wußten, was die Infiorata ist, traf es uns nicht ganz so hart. Am vergangenen Wochenende hatten viele Künstler katholische Motive per Blütenblätter realisiert. Das sieht sicher noch toller aus, als die Karotteninstallationen in Ispica und lassen sich genauso umweltfreundlich entsorgen. Zum Glück hatten sie in der Information noch ein Programm der Infiorata übrig, das außer den Entwürfen der Exponate praktischerweise auch einen durchaus brauchbaren Stadtplan enthielt, wenn man eine Lupe dabei hat.

- Ein Platz an der Via Vittorio Emanuele

- Noch'n Platz an der Via Vittorio Emanuele
Wir schritten die die Via Vittorio Emanuele beidseitig ab. Hängen blieben wir in einem sizilienweit berühmten Kaffee. Die Törtchen waren zu verlockend und schmeckten durchaus so, wie sie aussahen - prächtig. Nur daß die Mehrwertsteuer (22%) auf den Preisschildernnicht mit ausgewiesen war, verwirrte uns etwas. Wir kauften noch einige Mitbringsel für unsere Brut und ich versuchte, eine deutsche Tageszeitung zu bekommen. Ich gab schon nach der ersten Pleite auf. Da das meiste sowieso hinter Brettern und Gerüsten versteckt war, entschieden wir uns jetzt für den heimischen Pool.
Unsere Taktik der kombinierten Außen- und Innenkühlung zeitigte ihren Erfolg und nun brauchten wir nur noch zu tanken. Ich fand unsere bevorzugte Tankstelle relativ schnell, mußte aber enttäuscht feststellen, daß das mit dem Scheibenputzen beim letzten Mal besser geklappt hatte. Zumindest war der Dieselpreis konstant geblieben (1,20€/l).

- Die Kirche von Donnalucata

- Fischer bei der Arbeit
Wir düsten nach Marina di Ragusa zurück, wobei wir Donnalucata wegen seiner Strände besondere Aufmerksamkeit schenkten. Denn wenn wir uns am Pool ausgeruht haben würden, wollten wir unbedingt mal ins Meer springen und anschließend frischesten Fisch kaufen. Alles gelang wie geplant. Ich konnte trotz Luckys Platzanspruchs auf der Liege auch etwas schlafen. Das Meer war durch die flache Natur des Strandes sehr warm und kaum eine größere Erfrischung als ein Sprung in den Pool. Dafür war der Schwertfisch (25,- €/kg) absolute Spitzenklasse, wie sich später zeigen sollte. Mit 17,- € waren wir dabei und Heidi zauberte ein sizilianisches Festmahl, das selbst die Sizilianer begeistert hätte.

- Schwertfisch sizilianisch
Um keine diplomatischen Verwicklungen heraufzubeschwören, behalten wir den Abend und auch das Rezept für uns. Nach dem absoluten Abendessen las ich schon mal drei Tage der letzten Woche aus dem Tagebuch vor und wir löschten gemeinsam mißlungene Schnappschüsse. Allzuspät wollten wir nicht zu Bett, da morgen die Wanderung durch die europaweit größte Nekropole in Pantalika geplant ist. Wecken 6.15 Uhr!
Buona Notte!
Jost



