Lombardei - 20. Mai 2003
Wandertag
...oder aber lieber doch nicht. Die Wolken hgängen tief und der Versuch, das Frühstück im Freien zu zelebrieren, scheiterte kläglich am einsetzenden Regen. Also fuhren wir nach Iseo. Im Zentrum des Ortes war kein Parkplatz zu finden, denn es war Markttag. Gegenüber des Bahnhofes fanden wir dann sogar noch einen gebührenfreien Parkplatz, mußten dafür logischerweise den entsprechenden Fußweg inkauf nehmen. Kein Problem, denn eigentlich wollten wir ja heute sowieso wandern.
Das geschäftige, aber ruhige Markttreiben paßte gut zur Umgebung. Iseo gefällt uns mit seiner palmen-, linden- und platanengesäumten Seepromenade ausfallend gut. Der Wind trieb die Wolken, einen einsamen Surfer und die Wellen vor sich her. In der Touristeninformation wurden wir auf deutsch bedient und bekamen einige Adressen für die letzte Urlaubswoche. Am Markt kauften wir die letzten Cartoline und eine „Süddeutsche”. An dem Markthändler mit den erntefrischen Orangen, Zitronen und Erdbeeren kamen wir anschließend einfach nicht vorbei. Und die getrockneten Aprikosen, die Backpflaumen waren einfach zu köstlich - 12,13€. Was der freundliche Gemüsehändler mit seinem Erlös machen wird, wissen wir nicht. Wir setzten uns, nach kurzem Promenieren, in eine Bar.
Es ist schon etwas Besonderes, am Dienstag zur Mittagszeit in einem Café an einem See zu sitzen und die Tageszeitung zu lesen. Ach ist die Arbeit schön weit weg. So weit, daß sie mir überhaupt nicht in den Sinn kam. Die erste Adresse, unser gemeinsamer Favorit, hatte sogar einen Pool zu bieten. Es dauerte etwas, bis wir die richtige Schnellstraßenausfahrt erwischten. Zwanzig Minuten blieben dann noch, bis zur Büroöffnung und so hatten wir Zeit, uns das Objekt schon einmal näher zu betraachten. Die „Villa” ist eigentlich das Weingut und der Pool ist mit einer ausreichend großen Plane abgedeckt und somit höchstens als Trampulin nutzbar.
Pünktlich, schon fünf Minuten nach zwei Uhr, schloß eine junge Frau das Ufficio auf. Sie sprach gut deutsch und war trotzdem nicht bereit, von den 320,-€ Wochenpreis eine Anpassung auf sechs Tage vorzunehmen. Die 50,-€!!! Reinigungsgebühren überzeugten auch nicht, selbst wenn eine Weinverkostung enthalten ist. Wir avisierten eine telefonische Entscheidung nach der Besichtigungstour.
Ein Stückchen weiter, die Villa d'Armia sieht eigentlich ganz einladend aus, ist leider niemand zugegen außer dem Hund, der uns zutraulich gefangen nahm. Die Kommunikation - „Wo ist denn dein Herrchen?”- verlief wenig erfolgreich. Auch der auftauchende Jeepfahrer war sehr freundlich, aber außer uns zu zeigen, was wir schon kannten, konnte auch er uns nicht helfen.
Weiter zur nächsten Adresse, einem weiteren Weingut. Der Weg war eigentlich nicht das Ziel, obwohl wir uns ab und an ziemlich verfransten. In den engen Gassen, die - einzig richtige Lösung - zu Einbahnstraßen (senso unico) werden, verliert man umgehend die Orientierung, zumal wenn der Himmel bedeckt und die Orientierung nach den Sternen nicht möglich ist.
Das Zielgut hatte riesige Hinweisschilder und ein geschlossenes Tor zu bieten. Der Parkplatz, den wir wählten, lag sicher vierhundert Meter vom Tor entfernt. Am Tor steht ein gut lesbares Schild, das, wenn man davor steht, als „Bitte klingeln” interpretiert werden könnte. Prompt öffnete sich das Tor. Eine ältere Seniora wies uns den Weg zum Büro. Es fand sich ein freies Appartamento, wir sahen es uns an und ließen uns ins große Buch als Mieter eintragen. Tutto buono.
Außer am Morgen hatte den ganzen Tag die Sonne geschienen, aber jetzt zogen wieder ausgesprochen dunkle Wolken auf. Trotzdem kamen wir trocken nach Hause, denn ich drohte mit dem großen Schirm. Das reichte aber gerade so für uns, denn kurz darauf brach das Unwetter los. Zum Abendbrot zauberte Heidi Hähnchenbeine mit Reis und Blumenkohl auf den Tisch. Dazu wurde Rotwein eingeschenkt.
Anschließend das übliche Procedere: Heidi las und ich schrieb, zumindest bis das italienische Pokalfinale AS Rom - AC Mailand (1:4) begann.



