Fremdwandern
Gesternabend wurden wir von unseren Nachbarn aus dem Vogtland eingeladen, an der heutigen Bergwanderung zum Monte Tolu teilzunehmen. Die Kommentare im elf Jahre alten Bergwanderbuch bestätigten die vogtländischen Lobpreisungen. Vom Höhepunkt des Korsikaurlaubs und phantastischen Aussichten war dort die Rede. Nach dem Frühstück (am späten Vormittag) sollte es losgehen. Ich fand noch die Zeit, drei Kapitel der "Weißen Löwin" zu lesen, bevor alle mit dem Frühstück fertig waren. 11.30 Uhr ist so ziemlich der späteste Vormittag. Aber wir erwischten ihn noch.
Kurz hinter Lumiu bogen wir rechts in Richtung Berge von der Nationalstraße ab. Auf mal schmaler, mal breiter werdenden Straßen schraubten wir uns auf ca. 1000 m Höhe bis zum Bocca di Baraggia hinauf. Vom Parkplatz aus sind es laut oben erwähntem Buch 1¼ Stunden bis zum Monte Tolu.

- Natur pur

- Kunst pur
Wir wollten uns nicht unter Druck setzen lassen und bummelten fotografierend, Kälber beobachtend und die Gegend genießend bergan. Ein angedeutetes steinernes Pentagon, von entsprechend fünf angedeuteten Händen abgedeckt und nur in der Mitte etwas freiraumlassendes Kunstwerk zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die Installation wirkte etwas provisorisch. Die Initialen "SP" sagten keinem der Mitwanderer das Geringste. Nun gut, der Berg rief. Er lenkte uns aber auch weiterhin mit Nebensächlichkeiten ab, wie weiteren Kälbern, orchideendurchwirkten Macciawiesen und wolkengeschwängerten Aussichten. Die Aalener Familie wähnte sich schon auf dem Gipfel. Wir ließen sie in ihrem Glauben. Die langen Hosen taten beste Dienste, denn ohne sie wären wir wie Flagelanten auf dem Gipfel angekommen. Das sind diese mittelalterlichen, sich selbst züchtigenden, ihre Sünden bereuenden Verrückten. Die Maccia konnte uns jedenfalls nicht verletzen. Nur die Wolken ließen uns am Sinn unseres Tuns zweifeln. Am Schluß wurde es doch einmal steil. Nur ein uns entgegenwandernder Niederbayer verwirrte uns kurz mit der Bemerkung, daß wir in schwerem Fels wären, der der Eigernordwand gliche. Als wir uns über seinen Scherz ausgetauscht hatten, lachten wir trotzdem nicht, sondern kletterten fleißig weiter. Leider wurden die Wolken nicht weniger.

- Stärkung
Als wir nur noch 40 Meter (Höhe) vom Gipfel entfernt waren, richteten wir kurzfristig das Basislager ein. Da sich die ausstehenden Meter mangels Sicht offensichtlich nicht lohnten, warteten wir auf bessere Zeiten. Bei dieser Gelegenheit einigten wir uns, vom "Sie" zum "Du" überzugehen. Andrea, Heidi (Heidemarie), Frieder und Ralf heißen unsere Wanderfreunde und Nachbarn. Ralf und Jost entschlossen sich, aktiver gegen die Wolken vorzugehen und erklommen zu diesem Zwecke den Gipfel. Und siehe da, unser Angriff hatte Erfolg. Für ungefähr eine Viertelstunde war die Sicht zumindest nach Süden völlig frei. Das spornte auch die Heidis und Frieder an, uns nachzusteigen. Andrea opferte sich und wachte über die im Basislager befindlichen Utensilien. Leider konnte sie deshalb nicht auf's Gipfelfoto kommen.

- Das Gipfelkreuz

- Auf dem Gipfel
Der Abstieg zum Basislager verlief reibungslos und der Monte Tolu versteckte sich wieder hinter den Wolken. Durch die Eigernordwandspalte und weiter denselben Weg zurück zum Parkplatz wanderten wir und genossen die herrliche Landschaft. Heidi sammelte Küchenkräuter, die hier oben in besonders aromatischen Varianten wachsen. Gegen 17.00 Uhr waren wir wieder bei den Autos und standen vor der nun leider geschlossenen Gaststätte. Der Bierdurst mußte also noch warten. Bevor wir ins Tal und an die Küste zurückfuhren, begutachteten wir noch den neuen Orientierungspunkt. Das rätselhafte Kunstwerk ist dort als Friedensmonument ausgewiesen. Und die fünf Hände sollen die Kontinente symbolisieren. So ist die Kunst. Nach unserem letzten größeren Einkauf (die Bezahlung per EC-Karte klappte wieder nicht) und dem Auftanken (hier klappte das Bezahlen mit der Mastercard) fuhren wir wieder zur Residenz. Das gebratene Kammfleisch mit Champignons und Zwiebeln schmeckte nach der Wanderung hervorragend zu den Pellkartoffeln und dem roten bzw. Roséwein. Ich schrieb schon mal Tagebuch und bereitete die Diashow vor, die wir zuerst bei Matthies (incl. Vortag) und dann später bei Nachbars anschauten. Feuchtfröhlich ging der Abend eines ereignisreichen Urlaubstages zu Ende.
Jost
Alternativangebot
Zwischenzeitlich hatten die drei Matthiesse den Tag etwas anders genutzt. Zum einen zum Ausschlafen. Wilko ist da unermütlich, er kam gegen 13.00 Uhr aus dem Bett und wünschte dem Rest der Familie einen "guten Morgen". Zum anderen zum Lesen, wobei Karin + Günter ihre Romane beenden. Nach dem Aufräumen (abwasch des Frühstücksgeschirrs) entschlossen wir uns, in die Stadt zu fahren, um unsere Souvenier- und Mitbringseleinkäufe zu tätigen. Und für den Abend benötigten wir ja auch noch ein bis zwei alkoholische Getränke (Wein, Pastis). Gegen 15.00 Uhr parkten wir unser Auto auf dem schon bekannten Parkplatz und liefen (zu Fuß!) hinein in die Gassen von Calvi. Bei der Post erstanden wir noch drei fehlende Briefmarken, Wilko probierte erfolgreich einen Geldautomaten einer korsischen Bank, und die Geschenke für Falko, Brigitte, Oma + Opa + Peter waren Dank der guten Vorbereitung fix in Sack + Tüten. Nur Willi brauchte mangels Entscheidungsentschlossenheit etwas länger, aber die vielen kleinen Shops halten die verschiedensten Souveniers bereit, da fand er dann auch (endlich) was. Nebenbei entdeckten wir beim Herumlaufen sogar die kleine Markthalle Calvis, jedoch leider außer Betrieb, sicher, da schon Nachmittag war. Nebenbei tranken wir noch einen Café Crèma in einem kleinen Caffee und holten aus dem SUPER U die gewünschten Getränke. Gegen 19.00 Uhr waren wir wieder in unserer Residenz. Dort probierten wir endlich einmal die Kochkünste der netten Leute der Snack-Bar in unserer Residenz, wo wir auch gleich morgen unser Baguette und Croissants kaufen können. Wir wurden erstaunlicherweise nicht enttäuscht. Das Fleisch war zart und gut gewürzt (Entenbraten für Günni, Steak für Wilko). Dazu gab es Gemüselasagne und Salat. Karin erhielt eine Korsische Platte und war auch hiervon entzückt (natürlich zuviel). Und nur der Wein war mit 20,-€ zwar wohlschmeckend aber doch etwas zu teuer. Jedenfalls konnten wir zufrieden und gesättigt zu unserem Bungalow laufen und dort, wie von Jost beschrieben, den späten Abend genießen.
Karin



