Kanada - 8. September 2014
Wandern auf Bonaventure
Die Motelchefin hatte gestern gesagt, Frühstück gäbe es ganz in der Nähe. Wir gingen also die Hauptstraße entlang, an der Bauposten den Verkehr verkehren ließen oder auch nicht. Es schien sich was zu tun. Und da standen wir auch schon vor der Boulangerie „Le Fournand”. Auf der schmalen Terrasse luden Tische und Bänke zum Frühstück ein.
Wir gingen hinein. Ob wir von den frischen Mandelstücken etwas wollten? Und wie wir wollten! Sie dufteten so himmlich und sahen zu verführerisch aus. Dazu nahmen wir noch Joghurt, ähnlich dem vom Baumhaus aussehend und natürlich Kaffee. Herz was willst du mehr? Nebenbei beobachteten wir Touristen, die sich Baguettes mitnahmen und um so hektischer wurden, je mehr es auf 9.00 a.m. zuging. Auch die beiden Männer am Nachbartisch griffen sich nun ihre Rucksäcke und begaben sich in Richtung Anlegestelle. Sieht nach einem Abfahrtstermin aus.
Nach dem außerordentlichen Frühstück gingen wir zu einem der Eventkioske und fragten nach den Angeboten. Alle Stunde könne man zur Insel Bonaventure fahren und im stündlichen Abstand bis 5.00 p.m. nach Belieben zurückkehren und das alles für 25,-$ pro Person. Gut, die 10.00 a.m.-Verbindung sollten wir schaffen.
Die Bank hatte übrigens geantwortet, aber nur die Standardverfahrensweisen beschrieben. Ich antwortete, daß es so nicht ginge und bat um eine generelle Lösung für die Zukunft. So, nun konnte es losgehen. Wir kauften die Tickets am vorher schon erwählten Kiosk und begaben uns zur Anlegestelle. Das Boot war gut besucht und legte schon etwas überpünktlich ab.
- Le Rocher Percé______________Kolonie von unten_____________Robbendomizil
Wir fuhren auf die Rückseite des berühmten Felsens. Er ist nach den Niagarafällen das zweitmeist abgelichtete Motiv Kanadas. Von dort aus umrundeten wir die vorgelagerte Insel Bonaventure und konnten so die Kolonien der Basstölpel und Refugien der Robben von der Seeseite aus anschauen.
- Luxuriöser Weg__________Aber anstrengend_______________Kolonie von oben
Nach der 45-minütigen Bootstour gingen wir auf Bonaventure an Land. Hier wurden wieder die obligatorischen 7,50$ für die Nutzung der Wanderwege fällig. Von den diversen Möglichkeiten wählten wir die längste, äußere Runde. Der Weg ist wundervoll angelegt und nennt sich anfangs „Sentier des Mousses” - Weg der Schiffsjungen. Rechts und links der bequemen, beplankten Wege und Steige häuften sich übermannshohe, wie zu groß geratene Kieselsteine, Felsbrocken übereinander. Wenn einem da was dazwischenfällt, ist es wohl für immer futsch. Aber als Captain Duval, dem französischen Pendent zu Francis Drake, hätte ich meinen Schatz hier bestimmt nicht versteckt. Diesen zu finden wird Interessierten am Entré aufgegeben, mit dem Nebensatz, wenn man auch kein Geld fände, es gäbe viel größere Schätze.
- Ein einziges Gewimmel_________Wo ist er...__________________...der Nachwuchs
Auf sonnigen, grasbewachsenen Wegen gelangten wir nach zwei Kilometern an die ersten Tölpelkolonien und nach einem weiteren hinein in die größte der Kolonien. Ein überdachter Unterstand macht's möglich. Ich kam mit meinem 300er Objektiv auch so ganz gut an die Vögel ran. Beim Fliegen und, wie ich später an der „Baie des Marigots” beobachten konnte, beim Tauchen führen sie sich nicht im Geringsten tölpelhaft auf. Aber wehe sie wollten durch die Kolonie zu einer freien Fläche um besser oder überhaupt starten zu können. Da wird über alles und jeden drüberweg gewatschelt. Das sieht lustig aus und regt auch überhaupt niemanden anderes auf. Ist eben so.

- Komm rück raus!

- Endlich
Die dunkelgefiederten, stellenweise den Flaum verlierenden Jungen wollen halt was in den Schnabel bekommen. Sie sind zwar schon so groß wie ihre Eltern, wissen aber mit ihren Flügeln noch nichts anzufangen. Nur das Schnäbeln geht gut. Muß es auch, denn das ist die Aufforderung des Jungtieres, etwas Nahrhaftes herauszurücken. Es ist nicht so, daß die Kleinen ganze Fische bekommen. Nein, irgendwann verschwindet der Kindskopf im Rachen des fütternden Elternteiles und ich habe nie gesehen, ob und wenn ja, was da Leckeres die Mägen wechselte.

- Jetzt nicht einschlafen!

- Hier ist schön Platz
Was auffiel, daß viele Jungtiere apatisch auf den Felsen lagen und gar keine Kraft mehr zur Nahrungsaufnahme aufbrachten. Die verzweifelten Eltern oder auch Geschwister versuchten sie dann mit dem Schnabel noch einmal zu motivieren. Es war herzzerreißend zumal die Erfolgsquote gering war. Wir gingen in der Hoffnung weiter, einige Elternpaare möchten mit ihren Bemühungen doch noch Erfolg haben.
Der Weg der Schiffsjungen ging dann in den Königsweg über. An der oben schon genannten Bucht ließen wir uns nieder, unser Picknick zu genießen. Daß uns dabei die Tölpel und die Robben auch was für's Auge boten, rundete die Rast ab. Auf dem Königsweg gelangten wir in das eigentliche Freilichtmuseum, die Unterkünfte und Gehöfte der früher hier lebenden Inselbewohner.
- Siedlerhaus____________________Renard rouge_________________Tolles Panorama
Karg war's und hart und trotzdem wurde eine eigenen Kirche errichtet. Sie steht allerdings nicht mehr. Und plötzlich läuft Renard rouge auf uns zu, so ein schönes Tier. Einer der Parkwächter hatte uns vorhin, als wir schon einen Fuchs aus der Ferne gesehen hatten, erzählt, daß drei Tiere auf der Insel leben. Eines der historischen Häuser sah nach einer Erntehelferbehausung aus und erinnerte mich an „Gottes Werk und Teufels Beitrag”, nur daß es kein Flachdach hatte.

- Gemütliches Fleckchen

- Blick zur Sonne
Mit der 4.00 p.m.-Fähre fuhren wir wieder nach Percé hinüber. Auf unserer sonnigen Terrasse genossen wir den Vorabend. Für 7.00 p.m. hatten wir gestern, als das Restaurant total gefüllt war, im „Le Surcouf” einen Tisch bestellt. Als wir dort eintrafen, lag die Auslastung um 80% unter der gestrigen und wir konnten unter vielen freien Tischen wählen. Der Tisch am Fenster neben den zwei Beamten der Fischereipolizei gefiel uns am besten. Das Knoblauchbrot verlangte nach einer Extrazehe, Vorher konnte das Brot höchstens neben einer Zehe gelgen haben. Heidi wählte den Steinbutt und ich die Seezunge. Hier kann man nichts falsch machen. Auf dem Heimweg grüßte uns der aufsteigende Vollmond, sah toll aus.
Bon Nui!



