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Rainy day

Dienstag
2. September 2014

 
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Im Schwarzbärenfieber

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Der Sanitätstrakt

Gestern Abend hatten wir noch die Sterne durch unser Dachpanoramafenster beobachten können und heute Morgen war alles grau in grau. Zum Glück besitzt das Fenster keine besonders guten akustischen Eigenschaften, sonst hätte es einen Trommelwirbel vom Feinsten, ausgelöst von den Regentropfen, gegeben. Trotz des schlechten Wetters wurde das Frühstück schon zahn Minuten vor 8.00 a.m. angeliefert. Wir gingen trotzdem erstmal duschen. Das circa zwei Quadratmeter große Bad funktioniert prächtig. Der Spiegel taugt auch zum Rasieren. Allerdings gibt es keine Leine, um die Badetücher trocken zu kriegen. Es sind zwar Haken vorhanden, die Tücher besitzen aber keine Schlaufen, um sie daran fixieren zu können. Egal, jetzt mußte erstmal das Kaffewasser in Wallung gebracht werden.

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Lecker Frühstück

Der kartuschenbetriebene, einflam­mi­ge Kocher versah seinen Dienst klaglos. Nur mit dem Ver­hältnis Kaffeebeutel zu aufzugießendes Was­ser mußten wir noch üben, denn der Kaffee war etwas blümchenhaft geworden. Die warmen Ba­guette­stückchen konnten mit selbst­ge­machter Beerenkonfitüre oder Honig bestrichen werden. Auf die „Pitas de Julia”, das sind körnige Gebäcktaler, gaben wir nur etwas Butter - genial. Den Höhepunkt aber bildete der in einem kanadischen Weckglas angerichtete Apfelkompott-Joghurt-Müsli-Mix, dem wir gern etwas Honig beigaben. Also ein wirklich angenehmes Frühstück wurde uns da kredenzt.

Da der Akku meines Fotoapparates Notstandsmeldungen abgesetzt hatte, fuhr ich mit ihm, dem Ladegerät und dem Laptop zur Rezeption. Hier standen, nicht wie im Baumhaus nur 12 Volt sondern volle 110 Volt zur Verfügung, vom Internet garnicht zu reden. Laut Wetterbericht sollte der Regen über Tadoussac allmählich nachlassen. Schauen wir mal. Ich ließ den Akku weiter laden und ich fuhr wieder hinüber zum Forest. Die Lücken im Tagebuch harrten ihrer Füllung.

Die letztmögliche Fahrt mit dem Schiff durch den Fjord de Saguinay bis nach La Baie und zurück in dieser Saison würde um 11.30 a.m. starten. Eine Stunde vorher verließen wir das Haus und es regnete nicht. Wir hielten noch kurz an der Rezeption, um den aufgeladenen Akku samt Ladegerät mitzunehmen. Den Akku gab ich Heidi, das Ladegerät tat ich in das Fach der Fahrertür. Mal sehen, ob sich die Vorschau von Wetteronline bestätigen würde. Schon kurz vor der Staatsstraße 138 begann es heftig zu regnen. Das gibt's doch garnicht.

Vor dem Büro eines Tickethändlers konnten wir nicht parken, es war inzwischen 10 Minuten vor dem fahrplanmäßigen Ablegen des Schiffes. Auf dem Kundenparkplatz einer Geschenk­boutique war nochein Platz frei. Ich bat Heidi, die Verkäuferin zu beschäftigen, während ich mich um die Tickets kümmern würde. Es regnete weiterhin. Das Schiff würde heute erst um 11.45 a.m. ablegen. Der Zeitdruck wurde unwesentlich geringer. Irgendwie paßte das heute alles nicht. Und 70,-$ für eine Fahrt im Regen auszugeben, ist eher was für frisch Verliebte. Ich bedankte mich für die Auskünfte und entschuldigte mich, das noch mit Heidi absprechen zu wollen.

Heidi hatte inzwischen eine Ansichtskarte und zehn Briefmarken gekauft. Jetzt könnten wir auch erstmal weitere Karten schreiben und das mit der Fjordrundfahrt morgen noch einmal versuchen. Als wir von der 138 wieder in Richtung Sacre Coeur abbogen und den Berg hinauffuhren, hörte es schlagartig auf zu regnen. Die Straße war völlig trocken. Hier hatte es überhaupt nicht geregnet. Selbst wenn es weiter hinten im Fjord auch so trocken wäre, das Schiff war eh weg und richtig gute Sicht wäre sowieso nicht gewesen.

In Sacre Coeur hielten wir am Supermarkt. Wir brauchten ja nun was fürs Mittagessen. Auch wollten wir nach einem Briefkasten fragen. Der Lachs sah verführerisch aus und zwei Paar Maiskolben sowie die dazugehörige Butter mußten auch mit. Für den Abend genügten Wein und Kekse. Der Briefkasten war übrigens in die direkt vor dem Supermarkt aufgestellten Schließfachwand integriert. Dort kamen die geschriebenen Karten rein.

Das Zubereiten des Mittagessens mit einer Flamme funktionierte auch gut. Zuerst wurde der Mais gekocht, die Blätter hielten ihn warm, und dann der Lachs gebraten. Alles gelang absolut schmackhaft, zart und saftig. Das Baguette paßte bestens dazu. Dann schrieben wir weitere Karten und Tagebuch. Nun begann es auch hier zu regnen. Bei unserer Ankunft gestern hatten wir den Besuch eines Schwarzbärentrails für 5.00 p.m. gebucht. Einiges gelesen hat­ten wir schon über die Brüder aber noch nie welche gesehen. Allerdings goß ess jetzt richtig. Und die Frage war, ob das Bärenvorführen bei diesem Sauwetter überhaupt stattfinden würde. Wir kleideten uns wetterfest, fuhren zur Rezeption und fragten die junge Frau, die das Ganze auch vermittelt hatte, ob das Wetter eine Rolle spiele. Sie rief extra beim Veranstalter an, der bestätigte, die Aktion finde statt.

Inzwischen war es fünf Minuten vor Ultimo, aber das sei nicht so schlimm, wenn wir uns verspäteten. Bei immer noch strömendem Regen erreichten wir den Veranstal­tungs­treffpunkt. Im dortigen Büro wurden wir freundlich begrüßt und darauf hingewiesen,daß die Führung pünktlich um5.3ß p.m. begänne. Da haben sie uns ja schön veräppelt. Zuerst wurde ein Video über die Rettung der Schwarzbärenbestände in Kanada gezeigt und anschließend wies uns eine junge Frau in die Verhaltensregeln bei unserer Pirsch ein.

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Der Schulbus
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Die Bären

Ich bat Heidi, mir den Akku für die Kamera zu geben. In der Handtasche war er nicht, dann müßte er im Auto sein. Fehlanzeige. Dumm gelaufen, dann kann ich meine Kamrea mit dem gerade erst aufgesetzten 300er Teleobjektiv gleich im Auto lassen. Blieb nur, das Möglich aus Heidis Fotoapparat herauszuholen. Mit einem umgewidmeten, gelben Schulbus fuhren wir zu einem Parkort und gingen 150 Meter zu einer hölzernen, überdachten Tribüne. Von dort durften wir dann unter absolutem Schweigen mit ansehen, wie der eine oder andere Bär sich an den ausgelegten Leckereien gütlich tat. Daß dies in ungefähr zwei- bis dreihundert Meter Entfernung geschah, bereitete Heidis Kamera dann doch Probleme. Also die Bilder sind etwas unscharfe persönliche Erinnerungen. Gelohnt hat es sich allemal, zumal unsere sehr kompe­tente Fahrerin, Führerin und Unterhalterin auch noch sehr nett und auch so anzuschauen war.

Sie gab uns, auf meine Frage hin, auch noch einen Restauranttip für das Abendessen. Das Restaurant sei etwa 15 Minuten entfernt stehe an der Straße 138 est, sei ein blaues Haus und hieße „Du Boise”. Danke dafür, denn die Küche dort war wirklich lobenswert. Die von uns beiden erwählten Muschelgerichte waren ein Gedicht. Es hatte übrigens aufgehört zu regnen.

Als wir, wohlbehalten zurückgekehrt, unser Baumhaus öffneten, dachte ich, wir wären im falschen. Das Bett überraschte uns am anderen Ende des Raumes. Komisch. Wir setzten uns noch auf die Terrasse. Ich überspielte die heute gemachten Aufnahmen, als Heidi in ihre Hand­tasche griff. „Hier ist doch der Akku!”

Bonne Nuit!


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