Andalusien - 23. Mai 2009
Auf in Richtung Norden
Anhand der geographischen Anleitung des Tores zur Alpujarra - Orgiva, die man laut Aufdruck zur Besichtigung zu Fuß, per Fahrrad oder auf dem Pferderücken benutzen kann, begaben wir uns direkt von unserer Casa zu Fuß in Richtung Bayacas. Vorsichtshalber nahmen wir auch die richtige Wanderkarte und den Kompass mit. Das Haus liegt auf etwa 350 Höhenmetern, Bayacas auf 610. Je nachdem, wie wir uns dann fühlen würden, wollten wir nach Carataunas (710 m) hinauf und so weiter.

- Der Rio Chico

- Die drei Hunde
Für die 2 km nach Orgiva (455 m) brauchten wir schon mal 25 Minuten, weil wir so oft stehen blieben, um zu schauen. Weiter ging's an der Information vorbei und immer parallel zum Rio Chico. Als wir das Industriegebiet hinter uns gelassen hatten, folgten vereinzelte, eingestaubte Gehöfte, ein zu verkaufender Olivenhain und weiter oben Grundstücke, die mit Kleinbussen und Wohnwagen wie Aussteigerkommunen aussahen. An einem Eukalyptuswäldchen wollten gleich drei Hunde mit uns spielen. Bayacas ist zwar winzig, besitzt aber eine eigene Kirche, unterhalb derer sich das Gemeindezentrum befindet. Sie waren wohl gerade beim Renovieren und dokumentierten den alten Zustand mit Blitzlicht. Auf der anderen Seite des Rio Chico gibt es eine Jugendherberge, wenn wir die Hinweisschilder richtig interpretierten.

- Blick vom verlassenen Dorf

- El Barrio
Also weiter nach Carataunas. Durch eine halb verfallene Ansiedlung mit Namen El Barrio gelangten wir zur Gemeindeverwaltung des Dorfes - alles schick und neu. Da kann man doch mal eine Rast einlegen. Und obwohl wir uns gerade erst gestärkt hatten, ließen wir uns in der Bar an der Puente de Poli ein Bier kredenzen. Jetzt endlich hatten wir genügend Kraft für den Weg hinauf nach Soportujar (945 m) geschöpft.
Ein Stück die Straße entlang und an der Bushaltestelle links hinauf, auch wenn es nicht so aussieht, als daß es weiterginge, es geht. Das Pferd, das uns den Wanderweg streitig machte, war wirklich glücklich, uns zu sehen. Der Besitzer hatte das Tier mit einer langen Leine auf einem Feld angepflockt. Sie reichte bequemen bis zum Wanderweg. Das gute Tier hatte sich auf dem selbigen ein schattiges Plätzchen gesucht und sich beim Blätternaschen mit dem Seil im Geäst verheddert. Zum Glück schien es sonst eher an der kurzen Leine geführt zu werden, denn es war völlig ruhig. Als ich das Pferd aus seiner misslichen Lage befreit hatte, glaubt es wohl, ich könnte noch mehr tun, aber da war das Seil vor.

- Der Wasserfall Dique 24

- Die neue Brücke
Soportujar ist total verwinkelt und unübersichtlich. Dass wir nach links oben müssen, fanden wir erst nach einem kurzen Umweg heraus. Auch hier wird viel gebaut zum Beispiel eine Promenade (100 m lang) im Nichts. Aber hier, endlich, beginnen die Auszeichnungen des europäischen Wanderweges und wir fühlten uns gleich viel sicherer geleitet. Noch ging es bergan aber bald wanderten wir, fast wie auf Madeira, an Levadas entlang. Die Blicke gen Süden waren wunderschön. Das Meer konnten wir nur erahnen, aber sonst Berge, Berge, Täler. Am Wasserfall Dique 24 (1100 m) waren zwei frische Baumstämme zu einer Brücke verbunden worden, was Heidis Befürchtungen, durch das Wasser waten zu müssen, entkräftete. Der Weg nach Cañar (1040 m) ist einfach nur einem europäischen Wanderweg angemessen. Cañar selbst ist ebenso verwinkelt wie Soportujar und unterhalb der Kirche geht's zur einzigen Zugangsstraße ins Tal.

- In der Bodega
Mal sehen ob hier ein Bus fährt. Wir fanden eine Bodega in der der bejahrte Inhaber einen einzigen Gast betreute. Nun kamen wir ja hinzu. Ein großes Bier und einen frisch gepressten Orangensaft, so lautete meine Bestellung. Als sich die Frage, ob ich aus Deutschland sei, bejahte, wurde mir ein deutsches Flaschenbier angeboten. Nein, ich hätte lieber ein frisch gezapftes Bier. Um auf die Größe zu kommen, wurde das Pils in ein Weizenglas eingeschenkt. Prima Idee. Ich fragte nach der Möglichkeit, mit dem Bus oder einem Taxi nach Orgiva zu gelangen. Miguel, der Gast, sagte es gäbe drei tägliche Verbindungen, um mit dem Bus von Cañar wegzukommen, aber heute nicht mehr. Es war gerade 16 Uhr. Ein Taxi, nein gibt es auch nicht. Aber er würde uns gern eine Hilfe sein und uns mit seinem Auto nach Orgiva bringen. Wir sollten nur in aller Ruhe unsere Getränke genießen. Das war unsere Rettung, denn die Bergstraße hinab zu laufen, wäre ein Horror gewesen. Miguel fragte uns aus nach unseren Berufen, Einkommen, Kindern, wie teuer Zigaretten und das Bier in Deutschland wären. Wir ließen uns am Supermarkt absetzen, denn es galt noch, einige Kleinigkeiten einzukaufen. Mehr als ein Dankeschön wollten Miguel auf keinen Fall annehmen. Es sei ihm eine Freude gewesen, das genüge. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
Selbst mit dem Einkauf brauchten wir bergab nur noch 20 Minuten bis zur Casa Chamisa. Gegen 18.15 Uhr trafen wir ein und meine erste Amtshandlung war, den Fernseher Betrieb zu nehmen, denn mich interessierte schon, welcher Verein Deutscher Meister geworden war. Während ich Abstiegskampf, Meisterschaftsentscheidung und Champions League Qualifikation verfolgte, frönte Heidi ihrem Hobby, dem Kochen. Zum Glück ist hier der Hobbyraum in den Wohnraum integriert, sodaß kein Trennungsschmerz aufkam. Als seitens der Sportschau alles berichtet war, kam auch schon das Essen auf den Tisch - einen Gemüserisotto mit Rippchen und Hacksteak - lecker. Just in diesem Augenblick lugte Piluka um die Ecke. Zusammen mit Did brachten sie uns einen Stiege Nespolas aus eigener Ernte. Und sie wollten auch gar nicht stören. Nicht einmal ein Bier nahmen sie an. Wir bedanken uns für ihre Gaben und aßen weiter. Ein ereignisreicher Tag neigte sich seinem Ende und wir genossen die Ruhe und das Sternenzelt. Wunderbar, dass wir Urlaub haben.



