Andalusien - 18. Mai 2009
Durch Sevilla
Während meiner früheren virtuellen Aufenthalte in Sevilla hatte ich schon mal die Umgebung des Hotels erkundet und so war es ein Leichtes, eine Frühstücksbar zu finden. Mit Marmeladentoast beziehungsweise Rührei zum obligatorischen Café con Leche und dem frisch gepreßten Orangensaft waren wir gut bedient. Nach dem Bezahlen ließ ich mir gleich noch den Weg zur Touristeninformation weisen.
Wir fanden es dann auch wie beschrieben an der Avenida de la Constitución Ecke Calle Miguel Mañara, erhielten aber leider anstatt eines Termines und Treffpunktes für eine deutschsprachige Stadtführung nur eine Liste mit knapp zwanzig Anbietern, die wir doch anrufen könnten. Na klasse. An der Kathedrale war uns schon gestern eine Stele aufgefallen, die für Stadtführungen warb, aber auch dort waren nur einige Telefonnummern aufgeführt. Auf unserem Stadtplan war zum Glück der Standort eines der Anbieter markiert. Leider fanden wir kein noch so kleines Büro zwischen den Banken und Cafés. Zu guter letzt versuchten wir es doch noch per Telefon. Es meldete sich eine nette Spanierin, die fragte, ob wir französisch oder italienisch sprächen. Eher nicht beziehungsweise nicht besser als spanisch. Aber immerhin nannte sie uns Martas Telefonnummer. Die könnten wir anrufen und fragen, ob sie uns die Stadt ein klein wenig erklären würde. Ich bedankte mich und wählte die genannte Nummer. Nach der dritten Ziffer war besetzt - unglaublich. Was wir im Eifer übersehen hatten, auf der Stadtkarte war auch die konkrete Adresse der Stadtführer verzeichnet. Das muß doch zu finden sein! Und tatsächlich weist ein ungefähr zwanzig mal zehn Zentimeter großes Schild an einem der sonst vollgepflasterten Hauseingänge auf das gesuchte Büro hin, allerdings mit einer unerwarteten Aufschrift und Farbe. Die Annonce auf der Stadtkarte war völlig anders gestaltet. Egal, wir klingelten mittels des zwischen englisch und französisch geflaggten Klingelknöpfen befindlichen Knopf für sonstige Sprachen. Der elektrische Türöffner summte und wir hörten, wie irgendwo oben eine Tür geöffnet wurde. In der zweiten Etage standen wir nun der freundlichen Spanierin gegenüber, erklärten ihr, daß wir gerade noch miteinander telefoniert hätten, die Verbindung zu Marta aber nicht zustande gekommen war. Das hört sich jetzt leichter an, als es war, aber die zentrale Stadtführerin rief nun Marta von ihrem Telefon aus an, was sofort klappte, und übergab mir den Hörer. Ah, Marta! Ja, eine zweistündige Stadtführung koste bei ihr normalerweise 100,-€. Das ist wohl doch zu viel. Wann wir denn vorhätten, geführt zu werden. Am liebsten gleich. Martas Angebot, uns für 50,-€ anderthalb Stunden einen kurzen Abriss der Stadtgeschichte anhand der in der City noch existierenden Baudenkmäler zu geben, nahmen wir hocherfreut an. Vale, vale. Wir würden uns in zwanzig bis dreißig Minuten am Spanischen Platz treffen.
Was für ein Aufwand, aber letztendlich würde es doch tatsächlich klappen. Die machen es einem hier wirklich ziemlich schwer, seine 50,-€ los zu werden. Gelobt seien die deutschen Touristeninformationen! Allerdings haben wir dort noch nie nach einer spanischen Führung gefragt. Und die Japaner kriegen das doch auch hin. Aber ich glaube, die fliegen ihre Führer mit ein. Wir begaben uns also umgehend zum spanischen Platz, wo Marta uns gerade anrufen wollte. Durch das unterwegs genossene Eis waren die verabredeten dreißig Minuten fast um.

- Der halbe Spanische Platz
Zuerst erfuhren wir natürlich alles Wichtige über den Spanischen Platz, daß die vier Brücken die vier alten Königreiche repräsentieren, alle Provinzen ihren Platz im Halbkreis einnehmen und der Bau des Ganzen eigentlich schon eher geplant war. Durch den ersten Weltkrieg verschob sich diese iberisch-lateinamerikanische Semiweltausstellung auf 1929. Vorbei an den peruanischen, guatemaltekischen und chilenischen Pavillons führte uns Marta ins Herz Sevillas.

- Don Quijote und Sancho Pansa

- Der Guatemaltekische Pavillon

- Auf der Plaza de Doña Elvira
Der Alcazar ist montags leider geschlossen, aber den werden wir, wie auch die Kathedrale, morgen besuchen. Die engen Gassen des jüdischen Viertels, römische Wasserleitungsreste, maurische Architektur und das christliche Altersheim für katholische Würdenträger, das französische Konsulat an der Plaza de Doña Elvira, an der die Franzosen zu Napoleons Zeiten die Kirche abrissen, sind nicht so einfach in einen Zusammenhang zu bringen. Aber die mehrtausendjährige Geschichte so zu erfahren, war schon toll. Zum Abschluß luden wir Marta zu einer Erfrischung ein. Es waren doch fast zwei Stunden geworden und wir waren trotz der Anlaufschwierigkeiten rundum zufrieden. Wer also eine deutschsprachige Führung durch Sevilla buchen möchte, melde sich bei Marta.
Auf einem ihrer Tips beruhend, aßen wir vor einer Fischbraterei zu Mittag. Es gibt da so eine Symbiose zwischen Pesceria, Restaurante und einer Churroria. Wer bei einem der beiden anderen Anbieter etwas kauft, kann es an den Tischen des Restaurante verzehren und hier die nötigen Getränke bekommen. Es ist zwar essensmäßig dann Selbstbedienung aber dafür sehr schmackhaft und echt preisgünstig.
Jetzt wäre es ganz interessant, einen traditionellen Markt anzuschauen. Wir fanden den Mercado del Arenal durch die Beratung eines hilfsbereiten Sevillaners. Das half uns nicht wirklich, denn der Mercado del Arenal ist montags am Nachmittag geschlossen. Im weiter nördlich gelgenen Einkaufsviertel füllten wir unser Feutigkeitsreservoir wieder auf. Heidi beobachtete Passanten und ich schrieb am Tagebuch herum. Wir stromerten weiter durch die Fußgängerzone. Unser einziger Einkauf blieb ein gekühltes, stilles Wasser.
Das Wasser wurde ins Hotelzimmer gebracht und anschließend begaben wir uns an das Westufer des Guadalquivir. Marta meinte, dort an der „Ponte de Isabel II” könne man überall gut essen. Danach bliebe immer noch Zeit, das Etablissement von „La Anselma” zu besuchen und den Flamenco auf uns wirken zu lassen. Wir überquerten schnurstracks die Brücke und fanden auch noch einen größeren Tisch direkt an der Balustrade. Der Kellner fragte, wieviele Personen wir seien, was wir wahrheitsgemäß mit „dos” beantworteten. Es war ja auch offensichtlich. Tscha, dieser Tisch sei leider für fünf Personen eingedeckt, aber er habe ja glücklicherweise noch einen Zweiertisch in der zweiten Reihe. Wir lehnten mehr oder weniger dankend ab. Weiter vorn war auch noch was in der ersten Reihe frei gewesen. Wir bekamen also die gewünschten Plätze. Und natürlich behielten wir den Fünfertisch längere Zeit im Auge. Der schnöde Kellner schien keine passenden Gäste mehr zu finden. Recht so.

- Puente de Isabell II
Heidis frittierte Fische und auch meine Schweinemedaillons, diesmal wirklich mit Roquefort, waren vorzüglich. Der Salat Triana brachte die Vitamine in die Speisenfolge ein. Der gleiche Salat hatte auch am Nachbartisch Anklang gefunden und schon waren wir ins Gespräch geraten. Die beiden Freundinnen kamen aus Nordspanien und eine der beiden hatte in Sevilla studiert und wollte nun der anderen die Stadt näherbringen. Und ans Meer wollten sie auch noch ein paar Tage. Auch ihr kulinarischer Appetit war noch nicht gestillt, was auf die Bestellung einer weiteren Tapa hinauslief. Leider hatte der Koch eine ungerade Anzahl Kroketten aufgetan und eine Einigung, wer nun die letzte Krokette verzehren dürfte, Durchschneiden stand offensichtlich nicht zur Diskusion, kam nicht zu stande. Am Ende landete das Teil auf meinem Teller, wo es nun doch halbiert wurde. Jetzt stellt sich heraus, daß es keine kartoffeligen sondern fleischige Inhalte waren, die von der Panade umhüllt wurden. Schmeckte interessant in Richtung gut, fand aber keine Aufnahme in Heidis Kochgunst.
Leider fanden wir „La Anselma” nicht, aber dafür waren wir noch etwas durch das Frianaviertel spaziert. Kurz vor dem Hotel überfiel uns wieder dieser Wunsch nach einem Absacker. Es war inzwischen 23.25 Uhr. In der ersten Bar wurden wir direkt darüber informiert, daß hier Schluß sei. In der zweiten, gegenüberliegenden Bar war dann von verbleibenden fünf Minuten die Rede, was wir rigoros ausnutzten. So mußte der Camarero noch etwas mit dem Aufräumen warten und als er's dann garnicht mehr aushielt, um uns herum räumen. Zum Glück haben wir ja Urlaub.



