Andalusien - 31. Mai 2009
Wir bleiben in den weißen Dörfern
So, nun sind wir auch mit dem Vorlesen der Tagebucheintragungen auf dem Laufenden. Aber der Reihe nach. Das Frühstück mundete uns besser als dem Kater, der mit Milch vorlieb nehmen mußte. Wir schlemmten pfingstsonntäglich in Rührei mit Schinken und Toast mit Orangenmarmelade.
Als wir auf dem Weg nach Trevélez durch Orgiva kamen, bereiteten sich gerade hunderte Sportler auf einen uns unbekannten Lauf vor. Wir hatten Glück, daß wir überhaupt noch durchgelassen wurden.
Der höchste Ort Spaniens liegt unwesentlich höher als Capileira, dafür aber 25 Kilometer weiter ab vom Schuß. Auch Bubión wird als Touristenziel hochgehalten, denn auf den 2 Kilometern bis nach Capileira spart so ein Reisebus im Interesse der Umwelt schon ein paar Literchen Sprit. Auch wenn der allerbeste Schinken in Trevélez getrocknet wird, ist das doch eher was für Feinschmecker. Oder fanatische Wanderer müssen eben unbedingt in das Tal am Rio Trevélez. Wir brauchten die erwartete Stunde, bis wir wiederum am Ortsausgang das Auto abstellten.

- An der Brücke
Das Bergdorf ist, wie die Bezeichnung schon aussagt, am Berg erbaut. Dementsprechend steil und verwinkelt sind die Gassen. Da wird so ein ausgebauter, horizontaler Wanderweg, mit klassizistisch angehauchten Steinbänken ausstaffiert, zur Promenade. Jedenfalls waren auch ein, zwei nicht wandernde Pärchen unterwegs. Als uns am Ende des Fahrweges eine Brücke ans andere Ufer locken wollte, beobachteten wir einen Reiter, der einen auf den ersten Blick inakzeptablen Weg wählte. Da sein Pferd nicht murrte, stiegen wir den beiden hinterher.

- Wässrige Wege...

- ...und hier sehr pampig
Der jetzt auch hin und wieder markierte Wanderweg wird alle paar hundert Meter von kleinen Bächen unter Wasser gesetzt. Staubigen Abschnitten folgen wässrige auf dem Fuße. Zum Glückwar es nirgendwo glipschig. Nur auf den nächsten Aufsetzpunkt des Fußes hieß es zu achten, um nicht zu tief in den Modder einzusinken. Jeder noch so wackelige oder rutschig scheinende Stein ist eine bessere Wahl als ein Schlammloch. Da kann Heidi ein Lied von singen. War aber nicht so schlimm. Der Schreck war größer als das Ergebnis des Einsinkens im Schlamm. Kein Tropfen Wasser war in die Schuhe geraten. So wurde der Weg, mal ganz abgesehen von den Ansichten der Umgebung, nie langweilig.

- Erst ein Schmetterling...

- ...und dann ein Kolibrikäfer
Nach knapp zwei Stunden holten wir unsere Leckerli aus den Rucksäcken und bereiteten uns kauend auf den Rückweg vor. Ich fotografierte eine Diestelblüte und ihre Besucher, als ein englisches Wanderpaar bergan strebte. Wie die beiden mit ihren leichten Sportschuhen durch die Wasserlöcher gekommen waren, blieb unklar. Trotz der häufigen fotografischen Marschunterbrechungen benötigten wir für den Rückweg nur eine Stunde.
In Trevélez setzten wir uns an einen Tisch vor einer zünftig aussehenden Schenke. Leider paasierte ersteinmal garnichts, weshalb wir wieder auf- und ins Innere einbrachen. Von unserem Fenstertisch aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf den Rio Trevélez und einen bewegungsfreudigen Schimmel an dessen Ufer. Wir mußten sofort an Ute denken und wie gut ihr es hier gefallen würde. Wir ließen uns eine orginaltrevélezer Schinkenplatte zum Gaumenanregen kommen. Der Schinken war vorzüglich und Heidis Forelle jung und zart. Auch ich hatte am gegrillten Kaninchenlauf nicht das Geringste auszusetzen. Als am Nachbartisch unanständig große Entrecôte vom Rind serviert wurden, bestellten wir sofort unsere Rechnung. Wir konnten das Elend nicht mitansehen.

- Der Himmel voller Schinken
Bevor wir jedoch wieder ganz aus dem schinkenträchtigen Ort verschwanden, nahmen wir ein gutes Stück für daheim mit. Die letzten zwei benötigten Ansichtskarten und zwei Flaschen Rosé kamen noch dazu.
Die Rückfahrt verlief glatt und alle Absperrungselemente waren in Orgiva schon wieder für den Abtransport zusammengestellt worden. Ich hoffe nur, daß möglichst alle Läufer bei diesen Temperaturen gesund ins Ziel gekommen sind. Der Rest war Urlaubsroutine. Ich schrieb die letzten Karten und Tagebuch. Heidi las. Und da der sonntägliche Tatort Pfingstens auf auf Montag verschoben ist, konnte ich weiter in der „Tiefe” lesen.
Plötzlich schellte mein Telefon. „Wer ruft uns denn hier an?” fragte Heidi. „”Na Maximilian!" riet ich. Und tatsächlich wurde seine Nummer angezeigt. „Was gibt's für eine Katastrophe?” lautete meine Ansprache, „”Oh, nein, Nichts!” die Antwort. Er sei mit Florian und Hung in Schöneberg unterwegs und wolle einfach wissen, wo wir wären. Das war schwierig zu erklären, aber desto größer die Regionen wurden, näherten wir uns einer vagen Vorstellung. Irgendwann paßte es. Wir haben uns sehr über den Anruf gefreut.
Erst als Heidi einige Nüsse und vom Trockenobst genascht hatte, fiel ihr ihr Zuckerdefizit auf. Jetzt ging's ihr wieder blendend; im Gegensatz zum Kater. Ich vermute ja, er wird fremdversorgt. Seine Hilferufe nicht mehr überzeugend und er läßt unsere Angebote meist links liegen. Nicht daß er fetter geworden wäre, aber ich hab mir sagen lassen, Kater hätten ihren eigenen Kopf. Und wir haben Urlaub, noch einen ganze Woche! Na gut, hier nicht mehr ganz so lange.



