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Kleine Karoo

Sonntag
16. Oktober 2005

 
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Ein Tag der Höhepunkte

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Barbara und Wolfgang

Das Frühstück war erneut und wie gewohnt vom Allerfeinsten. Ich ließ mir heute von Wolfgang Rührei anrichten, in der Hoffnung, daß dies meinem Magen auf dem Wege der Besserung gut täte, wie auch der Joghurt dies tun sollte. Schon kurz nach 9.00 Uhr hatten wir alles bezahlt und hoffentlich auch eingepackt. Barbara zeigte uns abschließend die neue Ferienwohnung und schon mußten wir uns von unseren überaus netten Gastgebern wieder verabschieden. Die Tips für kurze Abstecher während der Fahrt nach Prince Albert wollten wir gern beherzigen. Da heut Sonntag ist, kamen wir gut voran, denn weder störten LKW den Verkehrsfluß, noch waren die Baustellen aktiv. Erst hinter George blieben wir einige Minuten an einer manuellen Baustellenampel hängen, da der Baufortschritt eine einzige Spur vorzuweisen hatte. Eigentlich handelte es sich nicht um eine Baustellenampel sondern um ein, von zwei mit sonntäglichem Tatendrang erfüllten dunkelhäutigen Ladies nach funktechnischer Absprache zu wendendes STOP-Schild, das dann "RD-GO" zeigte. Dieser Halt basierte also auf keinem "Berliner" Tip.

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Straußennachwuchs
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Ich bin ganz leicht

Erst der zweite Halt, den wir bei einer Straußenfarm einlegten, erfüllte dieses Kriterium. Wir wurden durch ein für die Touristen angelegten Teil der Farm geführt, durften Straßen füttern, reiten und auf deren Eiern stehen. Ich würd mir das verbitten, wenn ich Strauß wäre. Gekauft haben wir nichts im angeschlossenen Shop, da die Preise 1/3 über denen in Oudtshoorn lagen. Dort hatten wir kurz gehalten, um die Postkarten einzustecken, Cola für meinen Magen zu kaufen und uns eine preisliche Übersicht der Straußenprodukte zu verschaffen. Daß "Mister Price" mit seinen Angeboten auch am Sonntag lockt, kostete uns 112,- Rand, aber zu beiderseitigem Vorteil.

Bis zu den Cangoo Caves blieben noch 10 km. Barbara hatte die Befürchtung geäußert, daß man sie vielleicht ob der großen Beschädigungen durch die Touristen nicht mehr betreten dürfte. Dies wurde uns von der Information in Oudtshoorn nicht bestätigt - alles offen und begeh- bzw. bekriechbar. Als wir an der Kasse standen, erfuhren wir, daß in 40 Minuten (14.00 Uhr) sogar eine deutsche Führung durchgeführt würde, was wir mit Freuden vernahmen und auch buchten. Mit Bier und Milchshake überbrückten wir die Wartezeit. Nicht nur nicht geschlossen sondern unangemessen überfüllt war unsere Führung. Zuerst wurden daraufhin die englisch- von den deutschsprachigen interessenten getrennt. Dies genügte jedoch bei weitem nicht, sodaß eine zweite deutschsprachige Führerin angefordert wurde. Die Busreisegruppe wollte unter sich bleiben. Buisiness as usual. Die erste und größte Halle wurde für ein, zwei Jahrzehnte auch als Konzert- bzw. Opernhalle benutzt, was akustisch wohl außerordentlich interessant, für die Gesteinsformationen jedoch außerordentlich desaströs war. Wir durften den Gesang unserer Führerin im Originalumfeld erleben - ganz toll.

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Die Orgel

Phanatsievolle Namen für die verbliebenen, da entweder nicht erreichbaren (getrocknete Tabakblätter von Oudtshoorn) oder zu massive Gebilde (Orgel) werden noch gesucht. Einhundert Meter Länge, 45 Meter Breite und 22 Meter Höhe, geschmückt mit bizarren Tropfsteinen beeindrucken auch europäische Höhlenkenner. Gut, die anderen Hallen sind kleiner und die Phantasie auf Teufelsköpfe, Familienbibeln, Engelsflügel und Kreuze zu beschränken, muß man sich ja nicht zu eigen machen. Die "Afrikanische Trommel" tut ihr übriges, da sie eher wie ein Vorhang aussieht, den man aber durch kräftiges Anschlagen zum Klingen bringen kann. Obwohl man eigentlich nicht berühren sollte, durfte Heidi die Probe aufs Exempel machen. Ihr tat danach die Hand weh. Auch unsere zweite deutschsprachige Führerin gab ein Kirchenlied zum Besten und dann war's auch schon vorbei. Die 30 Minuten längeren Abenteuertour mit Krabbelei durch den "Briefschlitz" (ca. 30cm Höhe) hatten wir uns verkniffen. Wir mußten ja auch noch über den Swartbergpass (1585m), den schönsten Pass allhier und vielleicht überhaupt.

Uns trennten gegen 15.15 Uhr noch 49km von unserem Zielort. Bei allem Respekt, das sollte doch bis 16.00 Uhr zu schaffen sein, bei diesem sonntäglichen Straßenverhältnissen. Als sich nicht nur die Farbe der Straße von schwarz in ocker sondern auch noch die Fahrbahnkonsistenz von Bitumen in Sand und Stein änderte, verschoben sich die Prognosen vehement.

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Die Paßstraße

Jedenfalls war der Paß geöffnet. Weitere Widrigkeiten bestehen in der zumindest teilweise beängstigenden, weil fehlenden Breite, den wasserableitenden, massiven Querrinnen und den partiell auftretenden, waschbrettartigen Auswaschungen. Umsichtiges, zügiges Überholen ist also angesagt. Und Motorräder sind eh schneller. Aber darauf kommt es überhaupt nicht an, denn spätestens an der nächsten, überwältigenden Parkplatzaussicht trifft man sich wieder. Und da es hier absolut selten regnet, zumindest auf der karooschen Seite, staubt es tierisch auf Hinterherfahrende. "Enjoy the trip!" würden sie hier sagen. Wir wechselten also von einem Blick auf ein grünendes Tal hin zu der Ansicht eines imposanten, furiosen Canyons, durch dessen Grund offensichtlich auch unser Weg führen würde. Mit einem Jeep wäre die ganze Sache weniger aufregend. Ich hoffte eigentlich nur, daß die Reifen hielten. Zum Ende hin irritierten uns warnende Verkehrszeichen, die wir als mögliche Wasserdurchfahrten interpretierten (...). Zum Glück regnet es hier ja selten und wir kamen trockenen Reifens durch. Die geteerte Straße zeichnete sich am Horizont ab.

Sicherheitshalber fuhren wir ersteinmal an unserem Quartier vorbei. O.K. wir hatten weder Straßennamen (Church Street) noch Hausnummer (60) bisher entdecken können. Als die Häuser wieder seltener wurden, wendeten wir, deuteten die Kirkstraat richtig und standen umgehend vor dem Häuschen. Auf unser Klingeln hin öffnete Regina und führte uns zu unserem Domizil. Alle unsere eMail-Anfragen beantwortete sie aus dem Stehgreif. Sie stellte uns ihrem Mann Dick vor und empfahl uns die Ortsumwanderung als Appetitanreger für das "Kotter Maran" - einem sehr guten Restaurant. Sorgen um Leib, Leben und Eigentum müßte sich in Prince Albert niemand machen. Das hörte sich doch gut an. Zeug rein, umgezogen und ab durch die Mitte.

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Der Wanderweg ist von Steinen gesäumt und führt einen so auf die Anhöhe westlich des Ortes, von wo aus man die Weite Afrikas erahnen kann. Der Mond wird aufgehend immer voller. Es ist schon beinahe kitschig, aber so ist das eben. Obwohl es ziemlich winig war, blieben wir außerhalb des "Kotter maran" sitzen. Heidis Karoosche Lammkoteletts konnten mich und meinen Magen immer noch nicht reizen. Ich blieb bei "Pasta Putanica" - Tagliatelle mit Tomaten, Oliven, Salami etc. Ich hab's geschafft und versucht, meinen Magen mit einem Pernot freundlich zu stimmen. Ach so, Heidis Vorspeise hätte ich beinah vergessen - Mexikanische Pilze (mit Schokolade und Chili). Vom Chili war nichts zu schmecken - trotzdem eine erstaunliche Erfahrung. Jetzt sitz ich wieder hier und schreib, während Heidi liest. Nur komme ich eigentlich nie wirklich hinterher, denn die Zeit vergeht. Heidis Buch wartet hingegen.

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