Südafrika - 27. Oktober 2005
Tafelbergwandern
Wie versprochen fuhren wir heute auf der Voortrekker Road (R102) nach Kapstadt, um das Wahrzeichen der Mutterstadt - den Tafelberg - zu besteigen. Das Wetter paßte wieder hervorragend zu unseren Plänen. Anfangs war auch die Voortrekker Road absolut leer, da die N2 teilweise parallel verläuft und so die alte Ausfallstraße entlastet. Langsam nahm die Ampeldichte zu und die Reisegeschwindigkeit ab. Der Straßenrand war nicht mehr von Wohnvierteln sondern von Supermärkten, Industrieläden und vor allem Autohäusern bzw. -märkten gesäumt. Überall herrschte reges Treiben und die zwei Spuren mußten wegen abbiegender Autos variabel genutzt werden. Inwiefern unser einheimisches, gelbes Autokennzeichen die Akzeptanz der anderen Verkehrsteilnehmer erhöhte, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls schwammen wir im Strom der Autos gut mit. Erst in der City bogen wir etwas zu spät nach Westen ab, was aber den Vorteil hatte, daß wir am alten Kastell, am Rathaus, am Parlamentsgebäude und anderen Sehenswürdigkeiten vorbeikamen.
- Cape Town__________________Lion's Head_________________Clifton Beach
Ohne weitere Umwege gelangten wir an den Fuß des Tafelberges und hielten erstmal an. Hier beginnt der Pipetrack, der aber unterhalb des Berges verläuft. Außerdem parkte neben uns eine Dame, die ihre zwei europäischen Gäste durch die Stadt chauffierte und uns erzählte, daß diesen Monat schon Leute beim Ersteigen des Tafelberges ausgeraubt worden seien. Wir fuhren erstmal zur Talstation der Seilbahn, um uns näher zu informieren. Dann siegte wieder einmal der innere Schweinehund und wir wählten die vollständige Beförderung auf den Berg hinauf und wieder hinunter für 115,- Rand pro Person (15,- €). Man kann natürlich auch sagen, wir wollten mehr Zeit haben, uns auf dem Tafelberg zu bewegen und wählten allein aus diesem Grund die zeitlich optimale Variante. Auf dem Gipfel, der eben eher eine Tafel ist, gibt es sogar einen Rundweg für Rollstuhlfahrer. Die Eindrücke und Ausblicke auf Stadt, Land und Meer sind grandios. In aller Ruhe und drei Stunden inklusive Picknick am Ostrand des Zentralmassivs umrundeten wir den Berg.

- Heidi

- Jost
Unterwegs durfte ich einer mutigen 80-jährigen, amerikanischen Lady beim Abstieg und Übergang zum Südostteil der Ebene helfen. In Rock und guten Bergschuhen eroberte sie sich den Berg. Hut ab! Auch das Wetter hielt sich phantastisch. Die Sonne schien und der Wind ruhte tief. Nur im Südwesten zeigten sich ein paar Wolken, die einen hübschen Kontrast zum blauen Himmel und den Bergen ergaben. Die Zeit verging wie im Fluge. Auf der Talfahrt war ein größerer Trupp Japaner mit in der 65 Personen fassenden Gondel und die fotografieren noch mehr als ich. Da sich die Gondel bei jeder Fahrt einmal um sich selbst dreht, die unverglasten Aussichten aber konstant in Richtung Tal- bzw. Bergstation zeigen, kam es zu höflichem Geschubse, wenn die verglasten Fenster und Türen weniger optimale technische Bedingungen schufen. Unser Parkwächter hatte unseren Nissan schmählich im Stich gelassen, also kein Tip für Simba. Tip heißt hier das Trinkgeld.
- Die Westküste_______________Die Houd Bay_______________Die False Bay
Auf der N2 düsten wir mit der Absicht heim, dem Bikinistrand noch einen Besuch abzustatten. Eine steife, eher kühle Brise hielt uns von der Realisierung unserer Absicht ab. Nicht so schlimm, denn es gab auch so genug zu tun, bevor wir zum Abendessen und anschließend zu Markus auf ein Glas Wein gehen würden. Die von Markus empfohlene Pizzeria mit bestem Angebot an Meeresgetier - gleich vorn auf Harbor Island - Antonio genannt, fanden wir nicht. Vielleicht heißt vorn ja auch vorn an der Mole. Das dortige Restaurant sah letztens eigentlich auch recht einladend aus. Leider war der angesetzte griechische Abend schon völlig ausgebucht, wie uns die herbeigerufene Managerin bedauernd mitteilte. Uns hätten die begleitenden Auflagen - drei Menüs zur Auswahl - eh nicht geschmeckt. Ein Kellner meinte für Seafood sei das "Red Snapper" die beste Wahl. Zum Glück liegt auf dem Weg dorthin die besagte "Pizzeria Antonio".

- Crayfish

- Kingclip malaiisch
Zwei frisch gezapfte Bier kamen so prompt, daß wir es noch nicht geschafft hatten, eine Speise zu wählen. Letztendlich entschied ich mich für Crayfish, was ein Zwischding aus Languste und Hummer sein soll. Heidi bestellte einen malaiisch angerichteten Kingclip. Ich kämpfte das erste Mal mit einem solchen Tier, das die Küche netter Weise einmal längs aufgetrennt hatte. Ich kam also zumindest an die inneren kulinarischen Werte bestens heran, wobei das Schwanzfleisch am leckersten ist. Alles andere ist zwar auch gut, aber mit viel mehr Aufwand verbunden. Heidi war mit ihrem Kingclip absolut zufrieden. Insgesamt hatte alles etwas länger als geplant gedauert, weshalb wir erst um 19.30 Uhr bei Markus eintrudelten.
Markus gegrüßte uns herzlich, zeigte uns sein Domizil mit recht originellen, troddeligen Lichtschaltern und kredenzte uns seinen gutgekühlten Rotwein. Die Gäste- bzw. Urlauberwohnung im Parterre lernten wir auch kennen. Alles ist sehr praktisch und geschmackvoll eingerichtet. Daß wir uns für das Haus entschieden hatten, war ob der morgentlichen Ruhe trotzdem richtig. Es wurde ein sehr netter Abend, in dessen Verlauf wir sogar zu der Ehre kamen, Buchtaxierungen vornehmen zu dürfen. Wir wehrten uns nach Kräften, denn da fehlt es uns entschieden an Fachwissen. Was ist wohl ein großes Buschbuch aus den dreißiger Jahren wert, bestes Papier, zweifarbiger Druck? Keine Ahnung! Na 20,- bis 30,- € würd ich vielleicht anlegen, aber ich hab hald keinen Schimmer. Gegen 22.30 Uhr hätten wir noch viele Stunden weiterreden können, aber auch der Gast macht sich strafbar und da Markus morgen wieder würde knuffen müssen, wollten wir ihm die nötige Bettruhe nicht vorenthalten. Und wir wollten morgen die Weinregion unsicher machen. Vergelegen war uns schon in Prince Albert ans Herz gelegt worden. Stellenbosch und Frenchhook sind wohl auch ein Muss.
Gute Nacht.
Jost



